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Warte gerade darauf, dass mein Essen sich selbst herstellt und nutze die Wartezeit, um alte Einträge auf meinem Blog zu lesen. Im Juli 2008 habe ich das erste mal über die Schule geschrieben, und kann es kaum fassen, wieviel sich tatsächlich zum Positiven verändert hat. Hier eine Motivationsliste positiver Entwicklungen (die mich motivieren soll, durchzuhalten, während ich hier im kalten Deutschland darauf warte, wieder gesund zu werden):

  • Die Kinder konnten keine Reihe machen! Welch Chaos, beim Frühstück verteilen, Bücher-in-Empfang nehmen, oder “Klassenraum” betreten. Wie toll sie das gelernt haben mittlerweile, selbst die Allerkleinsten. Meist sogar ohne Schubsen.
  • Es gab ständig gewalttätige Konflikte. Dem ist nun tatsächlich nicht mehr sooo… Naja. Ist immer noch eins der größten Probleme. Statistisch betrachtet gab es zu Beginn täglich mindestens 15 gewalttätige Auseinandersetzungen. Mittlerweile liegen wir bei 2 bis 3.
  • Es gab nicht genügend Spielzeug für die Kinder, d.h. wenn alle Kleinen versammelt waren, konnte nicht jedes Kind ein Spielzeug in der Hand halten. Mittlerweile helfen die Kinder beim Heraustragen der kleinen Bambusregale, in denen diverses Spielzeug (Holzpuzzle, kleine Autos, Kuscheltiere, Murmelbahn, ein kleiner Bauernhof) aufbewahrt wird. Außerdem haben wir eine Duplowanne und eine Wanne mit Puppenkleidung und vier Puppen, zwei mit dunkler Hautfarbe (Spende der Mama!) und zwei mit heller Hautfarbe. Und Spielzeuggeschirr.
  • Es gab keine Klassen, keine angemessene Einschätzung des Lernstandes der Kinder. Jetzt haben wir vier Stammgruppen (Pre-Nursery, Nursery&Kindergarten, Klasse 1&2, Klasse 3&4), die Lernprozesse der Kinder werden erfasst (Tests, Beobachtungsbögen, Besprechungen, Freiarbeitsbogen).
  • Die Kinder hatten nur Frontalunterricht, in seiner schlechtesten Form. Mittlerweile haben wir genügend Lernmaterialien, täglich Freiarbeit anbieten zu können. Die Kleinsten haben “Freies Spiel” zusätzlich zu Gruppenaktivitäten.
  • Es gab Hindi, Englisch und Mathematik als Unterrichtsfächer. Nun gibt es außerdem: Environmental Science, Science, Geometrie.
  • “Klassenräume”: Eine Fläche zwischen zwei Bauten, überdacht mit Wellplastik auf Bambus diente als der ein Klassenraum, die Kleineren wurden in ein graues Tipi gequetscht. Heute: Das marode Dach wurde ausgetauscht, es gibt jetzt Eisenträger (um hoffentlich irgendwann Ventilatoren anbringen zu können), das Dach wurde gedeckt mit Wellblech, das mit Stroh bedeckt und durch Bambus gehalten wird. Dadurch ist es weniger hitzeanfällig. So die Hoffnung. Ein Oktagon aus Backsteinen ist der neue Klassenraum der Kleinsten, überdacht mit einer Bambuskonstruktion, gedeckt mit Stroh. Abhängbare Seitenteile spenden Schatten. Im Winter werden sie einfach abgenommen und die Kinder können die Sonne genießen.

Mir fällt noch einiges andere ein. Aber ich muss Feuer machen, es ist kalt.

Krank

Ich bin krank in Deutschland, daher möge man mir das Fehlen neuer Artikel nicht übel nehmen.

Child Survival

I browsed the UNICEF’s “State of the World’s Children 2008″ report:

  • On average, more than 26.000 children under the age of 5 die every day.
  • In up to a half of these, an underlying cause is undernutrition.
  • In the past 46 years, the number of child deaths has halved.
  • Pneumonia kills more children than any other disease. Pneumonia fills the lung’s alveoli with fluid, keeping oxygen from reaching the bloodstream. Healthy children have natural defences that protect their lungs from the pathogens that cause pneumonia.
  • Every year the births of around 51 million children go unregistered. These children are almost always from poor, marginalized or displaced families.

Foto. Zu dunkel.

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Erkennt man was? Man weiss es nich…Science Class, Topic: Licht. Experimente mit Prismen und Spiegeln und Taschenlampen und Kaemmen (um “Strahlen” zu erzeugen und die Reflektion durch den Spiegel zu untersuchen…). Grossartig.

Sandeep 2

Now Sandeep has been in Hospital for 11 days. At the day of arrival the nurse said that he wouldn’t have lived for one more day at the ghat.

I’m afraid to call this improvement, but it seems that he is getting stronger. His skin was peeling off (because he was basically starving), and his hand and feet were swollen – which is a sign for “wet” kwashiokor, the more dangerous version of this disease. We have visited him frequently (not as much as I would liked to have though) and now his skin stopped peeling completely and the swelling is gone.

Yesterday I could have cried for joy and fear at the same time: For the first time he was responding properly to me talking to him. He tried to find me with his eyes, and once they were settled on me, tried to keep the focus for a very long time. He was even smiling, or maybe just frowning, so difficult to tell. Now that the swelling has gone completly he just looks bones and skin, but I can tell he has gained some weight.

Although all this seems encouraging, now that he has improved so much I am so scared that he might die anyway. He has some kinds of fits sometimes and he cannot control his right arm, which is always shaking heavily on its own, as well as his head sometimes. When seeing him I can understand how people might feel when claiming someone obsessed. I would like everyone who reads this to know how horrible he looked (and still does) but somehow I feel this would humiliate him even more. Too voyeuristic maybe.

What if he dies? The doctor says, chances are there for complete recovery as well as for death. Nothing’s decided yet. During the day I try to not think about him for it makes me want to cry and be where he is. Which wouldn’t be helpful at all.

Nuetzlich…

So, hier muss ich sie mal vorstellen: Julia, unsere derzeitige Praktikantin, die sehr jung ist (gerade neunzehn geworden vor ein paar Tagen) aber sehr gut mit den Kindern umgehen kann, auch ohne Hindi. Sie ist verantwortlich fuer Anjali, unser Baby, dass jeden Tag gekommen wird, und Laloo, und wer auch immer sonst individuelle Betreuung braucht. Das ist sehr entlastend, und Julia hat die angenehme Eigenschaft, sich selbst Arbeit zu suchen, wenn sie gerade keine hat. Das ist sehr erleichternd fuer mich.

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Freiarbeit

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Christine, siehst du die Farbenplaettchen? Die groesseren Kinder haben ein tolles Spiel entwickelt: Ein Kind haelt ein beliebiges Farbenplaettchen hoch und wer zuerst den richtigen Namen auf Englisch sagt, bekommt das Plaettchen…

Der Junge im orangefarbenen T-Shirt ist Sundar, er mag das Hunderterbrettchen sehr, aber nur, wenn noch andere Kinder mit ihm mitspielen. Er hat immer noch Probleme der Wort-Gegenstand-Zuordnung (d.h. wenn er sagt “sieben”, dann auch tatsaechlich das siebte Blaettchen zu legen und nicht schon das achte). Am Anfang zaehlte er einfach und legte gleichzeitig Blaettchen, ohne dass Wort und Anzahl der gelegten Blaettchen uebereinstimmen. Hat er in der Schule gelernt. Mittlerweile hat er begriffen, dass er greifen muss. D.h. bei “eins” muss er das erste legen, und so weiter…Faellt ihm manchmal noch schwer, aber wird schon.

Ganz hinten links oben sitzt Priya, sie ist GANZ leicht geistig behindert, bzw. grenzwertig. Meint die Mutter. Vielleicht war einfach ihre Schule unglaublich schlecht und die Foerderung zu Hause auch. Man weiss es noch nicht, sie ist erst seit kurzem da. In der Freiarbeit sass sie am Anfang immer so wie auf dem Bild, naemlich nichtstuend, herum. Habe nach einiger Zeit angefangen, ihr Dinge anzubieten, die sie dann auch gerne macht, aber von alleine nicht wiederholt. Ein weiteres schulgeschaedigtes Kind. Juhu.

Ach ja. Gestern hatten wir ein Teacher-Training zur 3-Period-Lesson (wie sagt man auf Deutsch, Frau Happ?)…der Weg ist lang.

Sandeep…

Sandeep liegt im Krankenhaus. 3,5 Jahre alt, wiegt 5,6 Kilogramm. Hat Kwashiokor (extremer Proteinmangel) und Gehirntuberkulose. Der Arzt meint: Stirbt vielleicht, oder auch nicht, und wenn nicht, dann weiss man auch nicht, ob er jemals wieder “normal” wird und sowieso. Koennte heulen. Haette ich auch gemacht, wenn nicht alle auf der Station mich angestarrt haetten.

Vor ein paar Tagen war er mal bei Bewusstsein, aber heute nicht, und er hatte spastische Anfaelle und sieht so schlimm aus, dass ich nicht weiss, ob Tod wirklich eine Bestrafung waere.

Angefragt…

Heute hat mich eine Lehrerin gefragt, wie sie denn einem Nachbarkind beibringen koenne, keine Schimpfwoerter (wie z.B. Motherfucker) zu seinen Eltern und Geschwistern zu sagen. Und sie erwartete tatsaechlich eine (moeglichst knappe) Antwort.

Immer wieder ueberrascht es mich, dass Leute kommen und mich solche Dinge fragen, in der Annahme dass es 1. eine eindeutige Antwort gibt und 2. ich sie kenne. Meistens irren sie sich in beidem und dann stehe ich da und versuche, irgendwas schlau klingendes herauszubringen. Hab es auch schon mit “keine Ahnung” (meines Erachtens die angemessenste Erwiderung) probiert, aber das ruft meist nur ein “Ach komm, sagen Sie schon” hervor.

Es ist so schwierig, anderen, deren Sprache ich zudem nicht perfekt beherrsche, begreiflich zu machen, wie komplex die Einwirkungen sind die das Verhalten des Kindes bestimmen, und dass es selten eine schnelle oder sofortige Antwort gibt. Und wenn es sie gibt, dann ist sie wohl zu oberflaechlich und beruehrt die eigentliche Problemzone nicht.

Diese Art von Denken ueben wir gerade in der Schule. Zunaechst beobachten, das dann aufschreiben, um dann irgendwann darueber zu reflektieren und diskutieren, welch Verhalten in welchen Situationen ein Kind an den Tag legt. Dann irgendwann ueber die Ursachen nachdenken und darueber, wie man am besten den Beduerfnissen des Kindes gerecht werden koennte. Ein langer Weg, Ende nicht abzusehen. Ich bin meist genauso ratlos wie die anderen Lehrer und wuerde gerne so tuen als ob ich schlafe, wenn sie mich fragen, wie sie sich am besten verhalten soellten…Vielleicht sollte ich ihnen von Sokrates erzaehlen. Auf Deutsch.

Am Boden zerstoert…

Es ist Nacht, und Strom ist da, und zwar so ausreichend, dass der PC funktioniert. Was laege naeher, als mal mit all meinen guten freunden zu chatten, die SICHERLICH um diese zeit online sind…? und wer ist nicht online? alle. kann es gar nicht fassen.

dann eben hier ein bild.

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Das war zu unserem ersten grossen Teachertraining. Die Lehrer lachen nicht nur fuers Foto.

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