Archiv für September 2007

Vorbei…

… ist die erste Arbeitswoche. Eigentlich nur vier Tage und ich fühle mich, als müsste ich mal Urlaub machen. Heute ist Samstag, by the way. Und Samstag hat die Southpoint School im Gegensatz zu den meisten anderen Schulen geschlossen, weil dieser Tag für die Lehrer gedacht ist. Sie sollen ihren Wochenplan anfertigen, den Unterricht vorbereiten und es gibt regelmaessige Trainingseinheiten und Meetings. Heute sind ein paar Lehrer, Priya und ich nach Betawar gefahren, es gab einen Workshop für Eltern über eine kinderfreundliche Lernumgebung. Oder so ähnlich. Das ganze wurde auf Hindi abgehalten, aber ich habe einiges verstanden und einiges hat Priya übersetzt und der Rest ist mir egal… :-) Priya wollte von den Eltern wissen, was sie unter dem Titel des Workshops verstehen. Und sofort waren sich alle einig, dass die Stadt die geeignete Umgebung für ein Kind ist, wo es aufwachsen und lernen kann. Es gibt Krankenhäuser, gute Schulen, Einkaufsmöglichkeiten, Infrastruktur, eben alles, was es auf dem Dorf nicht gibt. Die Kinder können dort in Kontakt kommen mit dem, was wichtig sei im Leben. Das war traurig irgendwie. Betawar ist ein wunderschöner Ort, ich freue mich jeden Morgen total, wenn ich in die Schule fahre und den Himmel sehe, der sich in den Seerosen-bewachsenen Kanälen spiegelt…nicht zu reden von der restlichen Natur und: von der RUHE. Wenn die Kinder aus der Stadt zu Besuch nach Betawar kommen, rasten sie jedesmal aus, weil sie es nicht gewöhnt sind, Freiheit in Bewegung und Raum zu haben und sie sind dann kaum noch unter Kontrolle zu halten. Dagegen sind die Dorfkinder so ausgeglichen usw. Natürlich, die Eltern haben recht, man hat nicht wirklich ne Perspektive und die Weite, die die Natur suggeriert, ist meistens Betrug, weil die Menschen festgehalten werden in ihrem starren System von Tradition, Glaube, Aberglaube und mangelnder Bildung. Eine Mischung wäre nett. Jetzt gehen Nadine und ich zum Schneider. Ich merke, mein Humor ist noch nicht zurück.

Mein zweiter erster Arbeitstag

Seit heute habe ich eine eigene Klasse. Besser gesagt, drei eigene Klassen. Unterrichte jetzt fast ausschliesslich in Bethawar, einem Dorf eine Stunde ausserhalb Varanasis, und zwar die zweite bis vierte Klasse. Sind insgesamt ca. 20 Kinder (Schande ueber mich, kenne die genaue Zahl nicht) und ich werde fast alle Hauptfaecher unterrichten – Mathe, Science, Social Studies und English. Die beiden letzten zusammen mit Priya. Vier Tage pro Woche bin ich dort und einen Tag werde ich in Varanasi sein und in den Klassen zwei bis 10 Sport unterrichten, Volleyball und Badminton. Ich weiss noch nicht genau, wie ich es schaffen soll, auf drei unterschiedlichen Niveaus zu unterrichten. Und das bei meinem immer noch ziemlich rudimentaeren Hindi… Aber ich freue mich trotzdem, weil ich die Kinder so sehr mag und das Schulgebaeude auch. Tolle Atmosphaere dort.

Ich merke immer mehr, vor welch grossen Schwierigkeiten man steht, wenn man eine soziale Organisation aufbauen will, die weder korrupt noch ineffizient ist. Die Arbeitskultur ist hier in Varanasi (und ich glaube, im gesamten Norden Indiens) irgendwie so voellig anders als in Deutschland und es ist sehr schwierig, eine wirkliche gute Personalstruktur aufzubauen. Lehrer sein ist scheinbar fuer die meisten eine gerade noch annehmbare Uebergangsloesung. Was ueberbrueckt werden soll, ist geschlechtsspezifisch. Fuer die unverheirateten Frauen hier ist die Schule definitiv ein Ort, wo sie sich beschaeftigen koennen, bis sie verheiratet werden. Dann ziehen sie von zu Hause weg zur Familie des Mannes und lassen natuerlich den Job sausen. Die maennlichen Lehrer sind meist schon verheiratet und stets parallel auf der Suche nach einem besser bezahlten Job, am besten im Government, weil man da Pension bekommt. Die einzigen beiden Lehrer, die schon laenger da sind (naemlich vier und zwei Jahre), sind weiblich, aelter und alleinstehend. Alle anderen zehn Lehrer sind jetzt drei Monate dabei und haben vorher noch nie etwas mit Paedagogik zu tun gehabt. Und in den letzten Tagen haben schon die ersten die Schule wieder verlassen, einer hat einen besseren Job bekommen, bei der anderen wurde der Hochzeitstermin festgelegt. Die Zeit, die Priya in die beiden investiert hat, ist verloren und nun muss sie innerhalb kuerzester Zeit neue Lehrer finden. Das ist naemlich ein anderes Problem: Es gibt weder offizielle noch inoffizielle Kuendigungsfristen – der Bibliothekar z.B. hat von einem Tag auf den anderen den Job geschmissen. Da es jetzt schnell gehen muss mit der Einstellung neuer Lehrer, kann Priya auch nur oberflaechlich nach der Eignung der Bewerber entscheiden und muss die naechstbesten Bewerber einstellen auf Grund des Zeitdrucks. Dies wiederum bedeutet, dass die meisten Lehrer an dieser Schule nicht die besten ihrer Profession sind, nicht nur, weil es eigentlich keine „Profession“ Lehrer gibt, sondern auch, weil Lehrer sehr schlecht bezahlt werden und jeder halbwegs Intelligente sich ‘nen besserbezahlten Job mit weniger Stress sucht. Wen auch immer Priya dann einstellt, er oder sie muss das Teachertraining erneut von Anfang an durchlaufen, das bedeutet noch mehr Arbeit fuer Priya. So ist sie staendig gezwungen, sich damit zufrieden zu geben, dass ihre Angestellten nur ueber ein Mindestmass an Qualifikation und Training verfuegen und diese Investition sich letztlich noch nicht einmal auszahlt, weil sie den Job so bald wie moeglich verlassen werden. Traurige Situation.

Fazit

I – Lumbini: Kleidung gestohlen

II – Pokhara: Kleidung waschen lassen, Haelfte danach verfaerbt.

III – Kathmandu: Laptop und Nadines gesamte Karten (Kreditkarte, Fuehrerschein etc.) geklaut

IV – Sunauli: Busticket verloren

V – Varanasi: Haelfte der Blumen vertrocknet, mehrere Toepfe kaputt

Ich wuerde sagen, die Reise nach Nepal hat sich gelohnt. Jetzt sitze ich hier in Varanasi ohne den Laptop, ohne Anziehsachen und mit einem verwuesteten Balkon. In ein paar Minuten muss ich zu Priya, morgen geht die Arbeit wieder los. Der heutige Tag ist schnell vorbeigegangen mit Schlafen, Balkon saubermachen und zwei Stunden Waesche waschen. Draussen hat es aufgehoert zu regnen, aber die Strassen sind immer noch sehr matschig. Ich weiss nicht genau, ob ich mich auf die Schule freue, irgendwie schon, vermisse das Arbeiten, diese Regelmaessigkeit und die staendigen Veraenderungen, die es mit sich bringt. Aber gleichzeitig waere ich gerne ganz egoistisch, wuerde die ganze Zeit machen, was mir gefaellt und mich nicht dieser Routine unterwerfen, die noch nicht mal viel Geld bringt. Ich freue mich sehr auf das Studium naechstes Jahr, hoffe, damit geht alles klar. Brauche mehr intellektuelle Herausforderungen. Aber damit bin ich wohl auch in der Benares Hindu University nicht an der richtigen Stelle :-) Mir fehlen Buecher, merke ich. Und ich beneide Nadine, die an der Uni ist und forschen kann, lernen kann. Bin kein Lehrer, lerne lieber. Und habe gerade meinen Humor verloren, merke ich.

Finale

Gestern sind wir endlich aus Nepal aufgebrochen nach Varanasi. Mit dem Nachtbus von Kathmandu nach Sunauli an der indischen Grenze. Es ging abends um sieben los. Zufaellig war gestern Abend auch das Finale des „Indian Idol“, quasi die indische Ausgabe von „Deutschland sucht den Superstar“. Und ganz Nepal war mit dabei, zumindest vor den Bildschirmen. Unser Bus hat auch seltsamerweise oefter, als das normalerweise ueblich ist, Pause gemacht, immer an Raststaetten mit Fernsehern, und sofort wurde demselben auch ein Besuch abgestattet von den Leuten aus unserem Bus. Von mir auch, versteht sich von selbst. Im Finale: Prashant und Amit. Mein Favourit: Amit. Gewonnen hat: Prashant. Klar.

Was ich sehr seltsam und interessant finde, ist, dass die Menschen in Nepal und Indien voellig von dieser Inszenierung ueberzeugt sind, ich wurde doch ernsthaft gefragt, wer mein Indian Idol ist! Und das durchzieht fast alle Gesellschaftsschichten, unter den Zuschauern waren Arbeiter, Studenten, Muetter, Kinder, Businessmen, alles was halt so rumfaehrt in Bussen. Und auch Priya und ihre Mutter zum Beispiel schauen regelmaessig „Indian Idol“ und kommentieren ganz ernsthaft die Saenger und Saengerinnen. Das ist soviel anders als bei uns in Deutschland, wo man hoechstens abfaellig ueber seine „Superstar“-Zuschau-Erfahrungen spricht. Hier scheint das wirklich eine generationen- und klassenuebergreifende Veranstaltung zu sein, die mit Pomp und Kitsch so sehr aufgeladen ist, dass man sich doch tatsaechlich Dieter Bohlen herbeiwuenscht (wie meine ehemalige Deutschlehrerin sagen wuerde: Ich uebertreibe, um den Punkt zu verdeutlichen). Die Jury ist naemlich auch sehr indisch, wer haette das gedacht…keine offene Kritik, staendig „outstandig performances“ und „great shows“ und „heartmelting voices. Naja, ich kann mir ja auch so einiges einreden. Ach, und natuerlich wurden auch Mami (im Saree) und Papi und die ganze Geschwisterbande auf die Buehne gebeten – und auch hier Fragen, deren Antwort das Publikum zu Traenen ruehren:“Haetten Sie sich jemals traeumen lassen, dass aus ihrem kleinen Jungen in so kurzer Zeit so ein bedeutender Saenger wird?“ „Ja, mein Junge war schon immer etwas Besonderes“ (begeistertes Kopfwackeln aller Umstehenden). Frei aus dem Hindi uebersetzt von mir. Wir sind auch wieder in Varanasi angekommen und wurden mit Explosionen und Jubel begruesst (Indien hat im Kricket gegen Pakistan gewonnen). Es ist schoen, wieder hier zu sein, angestarrt zu werden, in unsere Wohnung zurueckzukommen, die unglaublich dreckig ist. Und draussen regnet es in Stroemen.

Zu schnell.

Laptop geklaut. Aus dem Hotelzimmer. Einfach so. Nepal verliert in meinen Augen an Ansehen. Und ich verliere mich im Selbstmitleid. Verdammte Scheiße.

Einmal kurz nachgedacht.

Ich sitze wieder auf dem Balkon. Nadine schreibt was für´s Peace Research Centre und ich bin faul. Es ist richtig, faul zu sein. Es gibt ganze Völker, die berühmt sind für ihre Faulheit. Wenn man mit Freunden keine gemeinsamen Erfahrungen mehr hat, sind sie dann noch Freunde? Vielleicht gibt es zwei Kategorien von Freunden: Die Menschen, die man mag und mit denen man noch über Jahre hinweg regelmäßig Kontakt hat, die aber woanders wohnen. Und die Freunde, mit denen man sein Leben teilt. Wenn die Nadine wieder in Deutschland ist und ich wieder aus Deutschland zurück in Varanasi bin, habe ich keine Freunde der letzten Sorte mehr und alle meine Freunde der zweiten Kategorie rutschen im Laufe der Zeit in die erste Kategorie. Aber eigentlich will ich keine rutschenden Freunde. Und dann komme ich wieder in viereinhalb Jahren und meine Freunde der ersten Kategorie freuen sich zwar total, mich wieder zu sehen und können aber dieses Gefühl des Gestörtseins von mir in ihrem bereits ausgefüllten Alltag nicht leugnen. Weil ein Leben auch ohne mich gut ausgefüllt sein kann, wer hätte das gedacht. Unser Abfluss war verstopft, jetzt waren zwei Menschen da, ein Mann von der Rezeption und eine Frau. Die Frau hat den Abfluss mit einem Saugnapf geöffnet und den Dreck weggemacht. Der Mann hat zugeschaut. Wir sind in einem zivilisierten Land.

Das Netz

Der Unterschied zwischen Nepal und Indien…

Der Unterschied zwischen Nepal und Indien. Fleisch und Fliegen in beiden Ländern. Und dann: das Netz, Kathmandu, Nepal. 17.9.2007, ca. 16.47 Uhr.

wie im urlaub…kathmandu, nepal.

Ich sitze auf dem Balkon vor meinem Hotelzimmer im vierten Stock. Im Nachbarhaus zwei Stockwerke tiefer spielt eine Lifeband in einem Rooftop-Restaurant. Eine verdammt gut gelungene Mischung zwischen traditioneller nepalesischer Musik und moderneren Rock-Gitarren-Rhytmen. Nicht, dass ich wirklich Ahnung hätte. Gitarre, Flöte, Tablas, manchmal Gesang. Es ist Abends, also dunkel, die Luft ist angenehm kühl. Es riecht nach Marihuana. Ich glaube, hier kifft jemand und wir sind es nicht. Ahja, die Amis von nebenan. Gestern fragte er sie, wie man „Israel“ buchstabieren würde. Sie meinte: „Like ‘Israel’, I-S-R-A-L.“ Gut, nicht? Kiffen hilft da bestimmt. Das tolle an unserem Hotelzimmer: Auf dem Balkon haben wir ein ungesichertes W-lan-Netz und das ist einfach mal wunderbar…

Es ist 20.20 Uhr.

Heute sind wir mit den Fahrrädern quer durch Kathmandu gefahren. Ohne Karte, ohne Plan. Kamen an ganz traditionellen tempelähnlichen Gebilden vorbei, das sah schon sehr asiatisch aus, vielleicht lade ich mal ein Bildchen hoch. Dann wurde die Stadt immer moderner, der Verkehr immer dichter und die Straßen breiter. War wie in ´ner normalen Stadt. Ich kann gar nicht glauben, dass Nepal ärmer sein soll als Indien. Die krasseste Armut, die wir hier gesehen haben, kommt trotzdem nicht an Indien heran. Und irgendwie ist es sauberer, viel sauberer zum Teil. Erinnert mich mehr an Himachal Pradesh, einen indischen Bundesstaat im und am Himalaya. Scheinbar sind die Bergvölker offener. Hier in Kathmandu zum Beispiel stehen sie total auf alternative Musik. Naja, wenn man Avril Lavigne als alternativ bezeichnen möchte. Nennen wir es Rockmusik. Nennen wir es moderne westliche Musik.

eigentlich…

müsste ich gerade Sachen packen. Unser Zug nach Ghorakhpur geht um halb eins heute Nacht und ich fühle mich unvorbereitet. Fahren zwei Wochen nach Nepal, neues Visum holen und Kathmandu plus Umgebung anschauen. Ach ja, und ein Haufen Arbeit wartet auf uns, vor allem auf Nadine. Ich muss nur Hindi und Französisch lernen und mein Russisch-Aufbaukurs kommt auch mit.Nun ja, stattdessen sitzen wir im Flavour´s Cafe und ich versuche, schöne Sätze zu bilden. Zu meiner neuen Arbeitsstelle: Die Southpoint School ist eine Schule im Süden Varanasis (wer hätte das gedacht), die Teil einer NGO ist. Von Indern für Inder gegründet, mit dem Ziel, das Bildungswesen zu verbessern. Größtes Projekt ist die Schule, hier sollen Kinder lernen, selbstständig zu denken, kreativ zu sein, Ehrgeiz zu entwickeln nicht auf Grund von Notendruck, sondern aus einem inneren Streben heraus. Oder so ähnlich. Das Konzept ist ziemlich gut, das Beste, was ich hier in Varanasi gesehen habe. An der Umsetzung hapert es, vor allem, weil es schwierig ist, gute Lehrer zu finden. Priya Iyer leitet die Schule. Eine tolle Frau. Sanft, gebildet, mit der großen Sehnsucht, ein guter Mensch zu sein. Und unverheiratet, eine Seltenheit hier in dieser traditionellen Stadt. Sie will nicht heiraten, hat die (berechtigte) Angst, sonst unfrei zu sein. Sie arbeitet unglaublich viel und hart und im Vergleich zu ihr fühle ich mich immer faul, obwohl Nadine mir ständig vorhält, wie überarbeitet ich sei… Nun ja. Auch diese Organisation ist alles andere als perfekt, aber hier kann ich es etwas länger aushalten. Und lernen. Unterrichte in der Primary School, Social Studies und English in der zweiten bis vierten Klasse. Spannend ist: Ich wechsle jeden zweiten Tag von der Stadt aufs Land. Nirman (das ist der Name der NGO) hat eine Zweigschule auf einem Dorf, das eine Stunde außerhalb von Varanasi liegt, aufgemacht. Die neugebaute Schule liegt direkt am Ganges, es ist wundervoll ruhig und grün. Dort zu unterrichten ist um einiges einfacher – irgendwie sind die Kinder anders. Entspannter, wissbegieriger. Priya meint, es liege vor allem am nicht vorhandenen Fernseher und an der Natur. Es ist unglaublich spannend, ständig zwischen Dorf und Stadt hin- und her zu pendeln…mal ganz abgesehen von der manchmal atemberaubend schönen Landschaft.

Ich habe das Gefühl, dass die Southpoint School ideal ist, um gleichzeitig verschiedenste indische Traditionen und moderne Entwicklungen nachvollziehen zu lernen. Finanziell ist es natürlich ein Desaster, aber als Kind von Multimillionären ist mir das völlig gleichgültig! Jetzt wurde auch noch mein Kindergeldantrag abgelehnt…naja, man kann nicht alles haben.

rückblickend…

… kann ich nur sagen, dass ich niemals all die bösartigen Wörter aufschreiben werde, die beim Gedanken an meine vorherige Arbeitsstelle -“Schoolmanager“, man höre und staune – bzw. meinen Arbeitgeber in meinem kleinen Kopf auftauchen, weil das wohl unfair wäre; zu subjektiv. Lust dazu hätte ich schon, keine Frage :-) … es war zum Teil das, was man „horrible“ nennt. Ignoranz, Lügen, Intrigen, Drogen, Beleidigungen, quasi das ganz große Drama, besser als jeder Bollywoodfilm. Dann hat mir Priya von der Southpoint School einen Platz in ihrem Internship-Programm angeboten und mit dem Wissen, die Kinder im Stich zu lassen, habe ich mich nach einigem Nachdenken für diesen Job entschieden.

Es macht mich mittlerweile unglaublich wütend, in ausländischen Medien Berichte über die sozialen Initiativen von Ausländern in Indien zu sehen / lesen. Nachdem, was ich hier erlebt habe, kann ich Entwicklungshilfe nicht anders als kritisch betrachten. Menschen kommen und wollen „was Gutes“ tun und helfen damit, bestehende korrupte Strukturen zu erhalten und durch Kapital zu stärken oder erst zu erschaffen. Dann fließt ausländisches Geld in Organisationen, die kein fundiertes Konzept haben und kein fachlich angemessen gebildetes Personal. Über Volunteers und deren stets kurzfristigen Bemühungen wird der Eindruck eines Fortschritts erweckt, der so nicht statt gefunden hat. Dies ist meine Erfahrung in meiner alten Schule gewesen und mir scheint, dies ist kein Einzelfall. Mein Gott, klinge ich verbittert :-) ein bisschen zu verändern sei ja auch besser als nichts, habe ich gehört, aber das entspricht eigentlich nicht meinen eher hohen Ansprüchen. Wie auch immer, es ist vorbei, soll es dort so weiter laufen, wie es eben läuft. Mit einigen Kindern pflege ich noch relativ intensiven Kontakt und sie fragen mich ständig, warum sie denn nicht auch in meine neue Schule wechseln dürfen. Kinder sind grundsätzlich toll, sogar wenn man ihnen das Mensch-sein schon anmerkt, d.h. sie lügen und betrügen. Eigentlich nur geliebt werden wollen.

Nächste Seite »