Ich frage mich, warum sich die Montessori Pädagogik so selten empirischer Forschungsarbeiten der Hirnforschung oder der Psychologie bedient. Als Maria Montessori gearbeitet und gelehrt hat, war die wissenschaftliche Empirie in ihren Anfängen und Läsionsstudien oder gar das nichtinvasive Studium des Gehirns gerade einmal im Entstehen begriffen. Wenn ich aber aktuelle Arbeiten über Maria Montessori lese, klingen sie in meinen Ohren so wissenschaftlich wie vor 80 Jahren. Allenfalls findet sich ab und an der Hinweis, die moderne Hirnforschung hätte die Erkenntnisse Montessoris bestätigt. Aha. DIE Hirnforschung. Reicht schon, danke. Niemand erwartet genauere (oder: überhaupt irgendwelche) Angaben über Forscher oder Erforschtes. Wo „Hirnforschung“ draufsteht, steckt Wahrheit drin. Lasst uns das kritische Denken und Forschen in die Brauchen-nur-Kinder-Tonne schmeißen und uns der Anbetung unfehlbarer, wenn auch toter, Menschen widmen. Maria Montessori hat doch bereits alles gesagt und die moderne Hirnforschung hat nur die eine – zugegebenermaßen heroische – Aufgabe, Montessoris Erkenntnisse empirisch zu belegen. Ist allerdings ein bisschen schwer, das wirklich zu verstehen, was die so forschen. Macht nichts, Frau Montessori hätte bestimmt dieses ganze abstrakte Computergekritzel zwischen Abszisse und Ordinate sowieso nicht gemocht. Kann man ja auch nicht anfassen. Aber vielleicht hätte sie die bunten Bildchen des Gehirns lustig gefunden, die je nach beanspruchtem Areal ganz unverhofft blinken oder auch nicht. Begriffe wie „transkranielle Magnetstimulation“ oder „Positronen-Emissions-Tomographie“ verstehen zu wollen, ist auch ein bisschen zu viel verlangt, immerhin hat Maria Montessori dazu kein selbstkontrollierendes Material entworfen. Limbisches System im Sandpapierformat. Hat sie uns im Stich gelassen? Müssen wir jetzt wirklich selber denken und forschen und wissenschaftlich arbeiten? Ich sage – nein! Die Welt ist kompliziert genug, lasst sie uns nicht noch komplizierter machen. Kinder wissen doch, was sie wollen. Wir müssen nur bei ihnen sein, sie unterstützen in dem, was sie tun. Uns zurücknehmen. Beobachten. Das bestätigt auch die moderne Hirnforschung.
PS: Ich bitte den Leser oder die Leserin, in einer geeigneten Suchmaschine die Wörter „Montessori“ und „Hirnforschung“ einzugeben, die aufgerufenen Seiten sorgfältig durchzulesen und mir zu schreiben, falls sie eine Seite finden, in der es tatsächlich einmal um Hirnforschung geht, die Frau Montessoris Vermutungen unterstützt. Ich habe aufgegeben, aber nur das Suchen, nicht die Hoffnung.
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