Archiv für Juli 2008

Und wieder frei…

Am Samstag fuhren Sheelu und ich zum Wholesale-Market in der Naehe des Muslimviertels von Varanasi. Bzw. wollten wir fahren, wurden aber mitten auf der Strasse gestoppt, weil Muslims die Strasse blockierten und keine Vehikels (benutzt man dieses Wort noch?) durchliessen. Wir sind dann zu Fuss weiter gegangen und ein Mann hat uns erklaert, dass die Polizei einen ihrer religioesen Lehrer verhaftet und abtransportiert haette – ohne Haftbefehl und ohne den Angehoerigen zu sagen, was ihm vorgeworfen wird. Die muslimische Gemeinde (oder eigentlich: deren Maenner) sind darauf hin in ganz Varanasi auf die Strasse gegangen, haben mehrere Hauptverkehrsstrassen blockiert und protestiert; soweit wie wir gesehen haben (und wir sind so einiges gelaufen an diesem Tag) war es immer relativ friedlich. Allerdings ueberall Polizei und wuetende Menschen. Und kilometerlange Staus ueberall.

Heute hat Sheelu von seinem Freund erfahren, dass der Mann wieder freigelassen wurde. Er wurde verdaechtig, einer der Drahtzieher des Bombenanschlags in Jaipur am 14. May 2008 zu sein, daraufhin festgenommen und sollte nach Jaipur zum Verhoer gebracht werden. Als er in Kahnpur einen Zwischenaufenthalt hatte, wurde die dortige Polizeiinspektion darueber informiert, dass sie ihn wieder zurueckbringen sollen, weil es zuviele Proteste von Seiten der Muslims gaebe. Sheelu meint, die Regierung hat Angst, dass die Muslims gerade jetzt ausrasten koennten – elections and important festivals ahead. Und am 15. August der Independence Day. Er wurde wieder freigelassen.

Wuerde gerne wissen, ob diese Story stimmt. Habe versucht, ein bisschen zu recherchieren, ob das stimmt oder nicht. In den englisch-sprachigen indischen Zeitungen (bzw. derer Internetpraesenz)findet sich NICHTS dazu, weder zu seiner Verhaftung (noch nicht einmal seinen Namen weiss ich :-) ) noch zu den Demonstrationen in Varanasi. Heute wurde in den lokalen Zeitungen zwar die Demonstrationen und die mutmassliche Taeterschaft des Lehrers erwaehnt, ueber die Freilassung oder den Grund des Endes der Demonstrationen gab es keine Informationen.

Edit: 30.7.2008 Nun stand’s in der Zeitung: Es wurde der Ort des Verhoers umgelegt, eigentlich sollte das in Jaipur stattfinden und die dortige Polizei, die ihn hier in Varanasi festgenommen hat, hat sich mit der hiesen Polizei, die den Aufstand der Muslims dann ertragen musste, nicht abgesprochen und ihnen noch nicht einmal Bescheid gegeben. Sie waren wohl auch schon wieder aus Varanasi heraus, bis die Polizei das hier mitbekommen hat und konnten erst in Kahnpur erreicht werden. So siehts aus. Er wurde hier auch nicht freigelassen, sondern verhoert. Ende offen.

Fuer den Moeff

Hier, das hast du jetzt davon. Aus dem Handgelenk fotografiert, waehrend der Fahrt und unscharf und man sieht gar nicht viel. Ich erwarte Freude und Dank! Und natuerlich musst du neidisch sein, weil du nicht hier sein kannst…

Mehr Arbeit

Das Foto hab ich in der Pause gemacht. Hab ihnen nicht gezeigt, was sie bauen muessen, das haben sie alleine gemacht… Suesse (damit meine ich Christine), du glaubst gar nicht, wie sehr sie das freut, dass es mittlerweile wenigstens ein bisschen Spielzeug (naemlich: deins) gibt. Du bist ein Schatz.

Ich soll jetzt doch alle Faecher unterrichten, hatte ich das erwaehnt (auch Hindi, bei den ganz Kleinen)?und zudem die Wochen- und Tagesplaene fuer alle drei Gruppen - Senior, Junior und Baby Group erstellen, also sozusagen fuer Kindergarten bis 2. oder 3. Klasse :-)

Das allergroesste Problem ist wohl die unregelmaessige Anwesenheit der Kinder. Manche gehoeren zu Bettlerfamilien, die das Betteln als Beruf ausueben, und die gehen oft weg aus Varanasi, wenn es in anderen Staedten heilige Festivals gibt, wo sie mehr Aussicht auf Einkommen haben als hier. Da die Kinder natuerlich grundsaetzlich mehr erbetteln koennen, muessen sie mit und kommen dann einfach fuer zwei, drei Wochen nicht mehr. Und manchmal gar nicht mehr. Kontinuitaet ist ein Fremdwort (auch in seiner Hindi-Uebersetzung).

Wir planen gerade fuer die beiden Lehrer regelmaessige Teachertrainings, d.h. ich treffe mich einmal pro Woche mit ihnen, wir besprechen die vergangene und planen die naechste Woche. Gleichzeitig sollen sie lernen, besser auf die Kinder und ihre Beduerfnisse reagieren zu koennen und aus bestimmten Verhaltensweisen auf das Befinden des Kindes zu schliessen. Die Feinfuehligkeit, die dafuer notwendig ist, fehlt noch, finde ich. Dennoch: es ist nicht aussichtslos, weil die beiden sehr gerne lernen wollen. Heute fragte mich Kathrin (diesselbe, ueber die sich die Kinder beschwert haben, weil sie von ihr geschlagen wurden), ob ich ein Jahr bleibe. Als ich bejahte, laechelte sie und meinte, dass sie das froh macht, weil sie nicht weiss wie und was sie unterrichten solle. Habe echt Glueck, solche Kollegen zu erwischt zu haben und nicht irgendwelche Deppen, die alles Neue fuer eine Bedrohung halten und man staendig kaempfen muss, um sie von grundlegenden paedagogischen Einsichten zu ueberzeugen. Ich finde auch, dass die beiden sehr schnell lernen. Sobald ich ihnen den Umgang mit einem Material, ein Lied oder eine Uebung zeige, versuchen sie, das sofort anzuwenden.

Dummerweise versetzt mich das in die unangenehme Situation, eben nicht nur fuer mich planen und Arbeitsblaetter erstellen zu muessen, sondern fuer alle drei Gruppen. Ich finde, Arbeitsblaetter erstellen dauert so unglaublich lange, zum Glueck liegen zu Hause noch ein paar Pre-School-Skill-Books rum, aus denen ich was zusammenkopieren kann. Ist auf jeden Fall mehr Arbeit, als ich erwartet (erhofft) habe, aber ich glaube, es koennte sich lohnen. Zusaetzlich einmal pro Woche English fuer alle Mitarbeiter. Und ich habe noch nicht einmal angefangen zu studieren!

Ich bin sehr dankbar, dass mein Priyankar, mein Professor, mir hilft – ich habe einen Computer in seinem klimatisierten (!) Buero zur Verfuegung gestellt bekommen, wo ich drucken und kopieren darf und es auch Internet und ein sauberes Klo und Filterwasser gibt. Unerhoert. Ausserdem wird er mir einen Tisch und einen Stuhl schenken! Damit ich dann zu Hause immer schoen lernen kann :-)

Kindergarten

Die Kinder koennen ganz grossartig auswendig die Zahlen 1-10 auf English daher sagen, haben das Konzept von Zahlen aber nicht verstanden. Sie wissen weder, was „2″ bedeutet, noch welchem Zahlenbild welches Zahlwort zuzuordnen ist. Habe die kleinen Holzzahlen von Thomas (danke…) genommen und, bei 1 angefangen, sie die entsprechende Anzahl der Hoelzer aus der Dose nehmen lassen. Dass sie etwas selbst in die Hand nehmen duerfen, ist ihnen neu gewesen und es war toll zu sehen, wie dann so langsam die Hemmungen fielen und die Kinder begriffen haben, worauf es ankommt. Gleichzeitig: dass nicht jeder alles irgendwie nehmen darf, sondern es Regeln gibt. Klingt jetzt nicht so aufregend, was ich gemacht hab, ist ja auch nichts Neues, aber es ist so unglaublich befriedigend zu sehen, wie die Kinder LERNEN.

Leider lief der Unterricht bisher auf einer fuer die Kinder viel zu abstrakten Ebene ab, weshalb sie eigentlich nichts verstanden haben - was natuerlich Schuld der Lehrer ist. Obwohl man von „Schuld“ hier kaum sprechen kann: Nagender z.B. ist der Lehrer fuer die Baby-Gruppe (quasi: Kindergarten) und hat selbst die Schule nur bis zur 8. Klasse besucht. Und seine Schule war sicher keine Montessori-Schule :-) Was mich so unglaublich freut: Nagender und auch die andere Lehrerin, Kathrin, wollen unbedingt dazu lernen und sind froh, dass ihnen endlich mal jemand sagt, was sie tun sollen. Hach ja.

Nachtrag…

Auf der Samneghat-Road, die zu meiner Schule fuehrt, werden wohl demnaechst (whatever this means) Kanalarbeiten durchgefuehrt, denn in den letzten Wochen wurde ganz viele Betonabwasserrohre angeliefert. Die saeumen jetzt den Strassenrand und sind richtig gross, ungefaehr 3 m lang mit einem Durchmesser von 1 m. Einige der Kinder, die bei uns zur Schule gehen, wohnen da jetzt drin mit ihren Familien. Fuer sie ein Gluecksfall, weil gerade Regenzeit ist und sie so nicht nass werden. Das zum Thema „Schoener Wohnen“.

Basic Human Needs

Morgen ist mein erster richtiger Arbeitstag in der Schule der NGO „Basic Human Needs“. War gestern schon da, aber Samstags wird nur gespielt oder es gibt einen Ausflug. Im Moment kommen sehr viele Kinder, gestern waren es um die 40 - auf vielleicht hoechstens 30 Quadratmetern. Zwanzig davon waren weniger als 5 Jahre alt, die juengsten eineinhalb. Ich glaube, es wird sehr schwierig, hier guten Unterricht zu machen, von Platzproblemen einmal abgesehen.

Die Kinder kommen alle von der Strasse, bzw. vom Rand der Strasse (also in diesem Monat: aus dem Schlamm), sie wohnen entweder am Ufer des Ganges im Westen Varanasis, wo es noch keine Ghats (Treppenstufen zum Ganges) gibt. Oder sie kommen aus irgendwelchen Plastikplanen-Blech-Haeuschen am Rand von groesseren Strassen. Wobei „Haeuschen“ hier ein Euphemismus ist. Die Kinder sind voellig verwahrlost, und wenn ich das schreibe, meine ich nicht den Zustand von Kindern der Hartz-Vier-Familie von nebenan, die von den Omas als verwahrlost beschimpft werden. Das ist noch mal eine Stufe krasser als die Kinder in meiner alten Schule (nicht Nirman, sondern die in der Altstadt Varanasis, die vorwiegend von den armen Kinder der Fischer besucht wird), die immerhin in Steinhaeusern wohnten und deren Monatseinkommen bei ca. 1500 lag – ich vermute das sind 500 bis 1000 Rupees mehr, als die Eltern der Kinder meiner neuen Schule (insofern sie Eltern haben) verdienen.

Was ich so schlimm und fuer den schulischen Alltag so schwierig finde, ist, dass die Kinder so aggressiv sind, sich staendig gegenseitig schlagen und weh tun. Dabei koennen sie Grenzen, die gesetzt werden, kaum erkennen, geschweige denn einhalten. Gestern habe ich ein Spiel gespielt mit den Kleinsten (so ca. 1,5-3 Jahre) und jeder kam der Reihe nach dran. „Reihe“ ist ja sowieso ein Fremdwort in Indien. Auch nach mehrmaligem Zeigen und Ermuntern und Ermahnen ging das mit dem In-der-Reihe-Stehen nur ganz schwer, alle 30 Sekunden draengten sie schon wieder im Haufen. Und ein kleiner Junge hat sich staendig vorgedraengelt und noch staerker als die anderen schwaechere Kinder weggestossen, um weiter vorne zu sein. Irgendwann habe ich ihn hochgehoben, ihn auf eine kleine Mauer gesetzt und ihm gesagt, dass er nicht mehr dabei sein duerfe, weil er den anderen Kindern weh tut. Wenn er aber hier ruhig sitzen bleibt fuer 5 Minuten, nehme ich ihn dran. Hat der Junge doch tatsaechlich gemacht! Ich hab mich unglaublich gefreut, und ihn gelobt und er hat sich auch total gefreut.

Vermutlich muss ich mich in Geduld ueben und die naechsten Monate ganz viele Kleinigkeiten mit den Kindern ueben, die es ihnen ermoeglichen, sich friedlich (miteinander) zu beschaeftigen. Bei den kleineren Kindern ist Unterricht sowieso noch nicht sinnvoll, ich muss mal schauen, ob ich irgendwelche Spielsachen (Kuscheltiere waeren toll, aber woher nehmen?) besorgen oder basteln kann, so dass es genug fuer alle gibt und sie nicht die ganze Zeit streiten muessen darum, wer die Murmeln haben darf usw. Dadurch entstehen Wartezeiten, die natuerlich sehr schwierig sind fuer ein Kind, besonders wenn es umgeben ist von anderen Kindern, die das gleiche wollen – und der Zeitraum, das Spielzeug ueberhaupt zu bekommen, eng begrenzt ist.

Ich frage mich, ob ich ein schlechtes Gewissen haben sollte (ich habe es bereits), weil meine Wohnung um einiges groesser und schoener ist als die gesamte Schule…habe bereits ueberlegt, ob man nicht einfach den Unterricht in meine Wohnung verlegen koennte, es waere auf jeden Fall viel mehr Platz, es gaebe ein ordentliches Dach und verschiedene Raeume, so dass man die Kinder trennen koennte. Allerdings vermute ich, dass das letztlich eine schlechte Idee waere, ganz abgesehen davon, dass meine Vermieter, die alles, was arm ist, hassen, ausrasten und mir das Ganze sofort verbieten wuerden. MIt einem Mal haette ich keine Privatsphaere mehr und auch keinen Teilzeitjob. Ausserdem wuessten die Kinder, wie ich wohne, und dass ich viel besser wohne als sie selbst. Hm, weiss auch nicht. Der richtige Umgang mit dem krassen Unterschied zwischen Arm und Reich ist mir immer noch unklar.

Gerade wehte hier unten im Internetcaffe der Duft von Brathaehnchen. Die gibts hier gar nicht!

Wieder in der heiligen Stadt…

…und damit meine ich nicht Jerusalem, falls das IRGENDWER (zum Beispiel die Netti?) dachte. Hier in Varanasi regnet es schon seit ueber einem Monat so gut wie jeden Tag. Was das mit einer Stadt macht, in der die Buergersteige fast immer mit Abwesenheit glaenzen und die Strassen zwar irgendwie oft befestigt sind, an ihrem Rande jedoch einfach im Sande verlaufen, soll der geneigte Leser sich schoen selbst ausmalen. Ich werde mich sicher nicht in den Regen stellen, die ueberfluteten Strassen und die unglaublich vielen Loecher fotografieren und mich von den Indern anstarren und auslachen lassen. Auf der Samneghat-Road, der Hauptstrasse in der Naehe meines Hauses, wurde erst im Januar neu geteert. Bis vor meinem Urlaub in Deutschland liess es sich auch wunderbar fahren. Jetzt ist die Strasse kaum noch wiederzuerkennen und ich brauche mindestens fuenf Minuten laenger auf dem Fahrrad, weil ich muehsam versuche, in Schlaengellinien die Loecher zu umfahren – waehrend saemtliche Fahrradfahrer, Rikshas, Fussgaenger und Kuehe das Gleiche versuchen.

Meine Wohnung war auch kaum noch wieder zu erkennen. Vorhaenge verschimmelt, Bambusregale verschimmelt, Schuhe verschimmelt, Kleidung verschimmelt, Matratzen, Kissen und Decken: verschimmelt. Nur mein roter Wintermantel ist nicht verschimmelt, was mich unglaublich gluecklich gemacht hat. Seit letzten Mittwoch raeume ich staendig auf, wische, wasche alles moegliche und hoffe, dass das irgendwann aufhoert. Sieht im Moment nicht so aus, es tuermt sich ein Berg mit Kissenhuellen und Vorhaengen, die gewaschen werden muessen, ich muss noch einen Spinnenwebenentferner (einen langen Bambusstock mit einer Art Klobuerste oben dran) kaufen, weil alle Spinnweben total zugestaubt sind und man sie daher sieht, was nicht schoen ist. Bloed ist, dass durch die hohe Luftfeuchtigkeit und den staendigen Regen die Waesche sehr sehr langsam trocknet.

Mein Bad ist jedoch mittlerweile dank BREF (ja, aus Deutschland importiert) so sauber wie noch nie und leer noch dazu (damit meine ich bref), daher habe ich jetzt eine Spruehflasche fuer den Reiniger, den ich hier sonst immer kaufe. Toll, nich?

Kampf der Giganten

bild0098In meiner Abwesenheit haben die Kakerlaken, ihrer groessten Feindin beraubt, die Abflussloecher zum Leben und Sterben verlassen. Fuer die Ameisen wohl der Grund ihres Ueberlebens, weil Kakerlaken bekanntermassen naehrhaft sind. Deshalb musste ich gestern ein paar Kakerlakenkoerperhuellen wegfegen und die Ameisen sind leider nicht weniger geworden. Hab gerade Spray gekauft. Gegen ein oder zwei Kakerlaken habe ich nichts, aber da lagen mindestens 10 tote rum und gestern und heute habe ich auch schon jeweils zwei lebendige erschlagen. Zuviel des Guten. Es ist schoen, wieder hier zu sein… Das Foto zeigt eine spraygetötete Kakerlake.

Visum für Indien

Juhu! Mein Visumsantrag für Indien wurde genehmigt!!! Ich kann es noch gar nicht fassen. Das ist eine Lüge, eigentlich fasse ich es sehr gut. Hatte schon damit gerechnet, umbuchen zu müssen und den Flug am 14.7. nicht nehmen zu können. Dann wiederum wäre ich wahrscheinlich nicht rechtzeitig am 25.7. in Varanasi gewesen, um mich an der Uni einzuschreiben. Nun kein Konjunktiv mehr nötig. Ich werde Diplom-Manager für Konflikte und Entwicklung. Das hört sich echt beschissen an auf Deutsch.

In Varanasi sind es gerade 35 Grad, gefühlte 45. Bei einer Luftfeuchtigkeit von rund 60 %. Es könnte schlimmer sein. Als ich im Mai Varanasi verließ, waren es 50 Grad.

Jetzt habe ich tatsächlich noch weniger als eine Woche in Deutschland. Das ist seltsam, da ich mich schon mit dem Gedanken angefreundet hatte, länger hier sein zu müssen. Und ich habe noch keine Nachrichten von meiner Schule, dafür aber von der Uni. Bin aufgeregt, wie vor ‘ner Verabredung mit ‘nem Mann. Was Schwachsinn ist – alles was mich zunächst in Indien erwarten wird, ist meine nach zwei Monaten Unbewohntheit verdreckte Wohnung und mein Alltag. Der grundsätzlich nichts mit attraktiven Männern zu tun hat :-)

Mutter begehrt Sohn

Rund ein Drittel der Menschen, die meine Seite mit Hilfe von Suchmaschinen gefunden haben, gaben in die Suchmaske „Mutter, begehrt, Sohn“, „Mutter, onaniert, Sohn“ oder „Mutter, Sex, Sohn, Film“ ein. Bemerkenswert. Und die sexuelle Anziehung zwischen Eltern und Kindern eine der wenigen uns Deutschen noch verbliebenen Tabuthemen. Schön, oder?

Dass Kinder bereits Orgasmen bekommen können bzw. orgasmusartige Gefühle erleben, ist mittlerweile bekannt. Als ich meinen ersten bewussten Orgasmus als Jugendliche hatte, war das kein neuartiges Gefühl, sondern irgendwie kam es mir sehr bekannt vor, ich wusste nur nicht, woher. Ich kenne aber andere Frauen („kennen“ ist übertrieben, habe BÜCHER gelesen), bei denen es gar keinen Bruch gab zwischen Selbstbefriedigung als Kind und Selbstbefriedigung als Teenie und Jugendliche. Dies lässt vermuten, dass der Mensch nicht sexuelles Wesen wird, sondern immer schon ist. Wer mal kleine Jungs als Babies gewickelt hat, hat sicher festgestellt, dass ihr Penis steif werden kann, wenn sie sich wohlfühlen. Und bei meinen Babysitterkindern beobachte ich, dass der Vierjährige sehr gerne und oft seinen Penis anfasst.

Ich glaube, dass der Umgang mit der Sexualität von Kindern sehr viel Feinfühligkeit verlangt. Es ist ziemlich einfach, durch unbedachte Äußerungen die sexuelle Entwicklung von Kindern zu stören. Dazu kommt die Tatsache, dass wir Sexualität natürlich aus den Augen Erwachsener sehen, wo es um Verführung, Flirten und letztlich den Sex mit einem anderen Menschen geht. Wenn ein menschliches Gegenüber sexuelle Handlungen andeutet oder begeht, unterstelle ich ihm immer Intention – dieser Mensch will Sex und wahrscheinlich (da er das in meiner Gegenwart tut) mit mir. Bei Kindern ist das, glaube ich, völlig anders. Sie fassen sich nicht aus Berechnung an, oder um „mehr“ zu wollen. Sie sind unschuldig in dem Sinne, als ihnen völlig unbewusst ist, dass ihre Handlungen von anderen Menschen nicht nur wahrgenommen, sondern auch interpretiert werden. Kinder im Kindergartenalter haben einen ganzheitlichen Bezug zu ihrem Körper, Scham als Schutzfunktion ist ihnen oft noch unbekannt. Da das Berühren des Penis bzw. der Vagina zu schönen Gefühlen verhilft, Kinder sich selbst durch bloße Berührung Geborgenheit geben können, sich nach Stresssituationen beruhigen können – wie käme ein Kind dazu, diese so einfach anzuwendende Methode aus sich selbst heraus nicht zu benutzen?

Die Mutter berührt ihr Kind ständig, das fängt beim Stillen an und hört bei der Körperpflege und dem Hinternabwischen ihres Sohnes auf. Das Berühren des Kindes macht sie glücklich, beruhigt sie, gibt ihr Geborgenheit und das Gefühl, Sicherheit geben zu können. Sie kommt immer wieder in Kontakt mit der kindlichen Sexualität (vielleicht sollte man dafür ein anderes Wort finden, um Missverständnissen vorzubeugen). Klingt bereits nach dem, was Menschen und besonders Kinder bei Selbstbefriedigung erleben. Sie entwickelt zu dem Kind eine ähnlich intensive Beziehung wie vielleicht zu einem erwachsenen Sexualpartner auch – die beiden verbringen viel Zeit miteinander, berühren sich oft, der eine ist Voraussetzung zum Glücklichsein für den anderen.

Ich finde, in einer solchen Situation ist es durchaus möglich, beide Arten der Beziehung miteinander zu verwechseln, denn beide drücken sich auf eine sehr körperliche Art und Weise aus. Sie jedoch auszuleben hätte schlimme Folgen, zu allererst natürlich für das Kind. Es ist nicht bereit, körperlich sowie seelisch, den sexuellen Anforderungen anderer gerecht zu werden. Selbstbefriedigung des Kindes ist immer Selbstzweck und auf sich selbst gerichtet – vor allem noch nicht auf den sexuellen Akt hin angelegt. Wird das Kind früher als durch hormonelle bzw. körperliche Entwicklung vorgesehen dazu gebracht, die Formen der Sexualität Erwachsener auszuleben, hinterlässt das bleibende Schäden. Das Kind kennt sich nicht mehr aus, fühlt sich hilflos, wird gezwungen, einen Ausdruck seiner Sexualität zu demonstrieren, die ihm selbst fremd ist. Es muss Scham- und Ekelgefühle unterdrücken und wird überrannt von der Wirklichkeit, die es nicht reflektieren kann. Und: Das Kind wird sich immer schuldig fühlen, weil es ja selbst diese sexuellen, positiven Gefühle hatte. Also wird es wohl auch irgendwie schuld sein an dem Missbrauch.

Ich vermute, dass es viele Frauen gibt, die sich zu ihren Kindern auch sexuell hingezogen fühlen, umso mehr, wenn sie bereits selbst sexuellen Missbrauch erlebt haben – und das sind ja nicht gerade wenige. Im Gegensatz zu Männern, die ähnliches erlebt haben, schaffen sie es aber zu einem höheren Prozentsatz, sich von diesen teilweise auch erlernten Gefühlen zu distanzieren und das Wohl ihres Kindes über das eigene vermeintliche Wohl zu stellen. Das wäre wohl noch einfacher, wenn ehrliche Diskussionen über solche Themen möglich wären. Dann würden diese Frauen aus der Falle kommen, in der einige von ihnen bereits als Missbrauchsopfer gesteckt haben – dem Gefühl, alleine zu sein und alleine schuld zu haben.

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