Jetzt ist der Monat fast schon wieder vorbei und ich hab immer noch nichts geschrieben. Die Zeit vergeht so schnell und es erscheint mir irgendwie so belanglos, das was ich erlebe dann noch aufzuschreiben. Ausserdem war der Strom in letzter Zeit sehr oft nicht da, wo ich war und ich konnte den Uni-Pc nicht benutzen. Heute gibt es auch keinen Strom an der Uni, aber ich muss unbedingt den Wochenplan machen und bin deswegen in ein Internetcafe gefahren – und schreibe hier rum, anstelle zu arbeiten… well.
Die Uni laeuft seit zwei oder drei Wochen und ab dieser Woche scheint es sogar spannend zu werden. Heute war ein visiting scholar aus der History-Faculty da und hat ueber die Welt nach dem 2. Weltkrieg geredet. Schulniveau, aber nett so als Wiederholung. Wenn er nicht in diesem krassen indischen English geredet haette, das ist immer wieder schwer zu verstehen. Aber immerhin war sein English grammatikalisch gut. Nach dem billigen Geplaenkel der anderen beiden Dozenten in den letzten Wochen eine nette Abwechslung. Morgen kommt ein Professor aus Stanford und redet ueber den Darfur-Konflikt.
My timetable has changed. Ich schlafe jetzt vier Mal die Woche im Hostel und unterrichte drei Mal pro Woche Badminton. Das Hostel ist eine Art Internat fuer Kinder, die entweder keine Eltern haben oder von ihren Eltern nicht angemessen unterstuetzt werden koennen. Sie leben dort permanent und bekommen Kleidung, Essen, Schulbedarf und Spielsachen. Im Prinzip ist es wie eine grosse Familie , die fast nur aus Kindern besteht, im Moment 25. Die Kinder sind drei bis 16 und gehen auf oeffentliche Schulen (d.h. nicht in die Schule, in der ich unterrichte). Mittag essen sie bei mir in der Schule und sie feiern auch die staendigen Feste mit den Schulkindern. Bleibt noch zu sagen, dass sich das Internat aus den Kindern meiner Schule rekrutiert (falls man das so formulieren kann). Rahul z.B., vielleicht 10 Jahre alt, war bis vor kurzem noch in der Junior Group in meiner Schule und wohnte bei seinen Eltern auf der Strasse in einem dieser Abwasserkanaele. Seit einer Woche wohnt er im Hostel und man erkennt bereits die ersten Veraenderungen – Oel in den Haaren
Im Hostel gibt es einen Raum fuer die Jungs, einen fuer die Maedchen, einen Lernraum, einen Essensraum und einen Materialraum. Plus winzige Kueche und Flur. Das ganze verteilt auf drei Etagen und in einem grob verputzten Rohbau, den scheinbar niemand fertigstellen will… schoen ist das. Klos gibt es auch zwei. Die stinken noch nicht mal immer. Nur wenn in der Nacht oder manchmal auch am Tag die kleinen Kinder drauf gehen und nicht spuelen und danebenpissen. Oder das Wasser nicht da ist und niemand Wasser von der Pumpe geholt hat.
Ich finde nicht die passenden Worte, um zu beschreiben, wie unglaublich toll das Leben mit den Kindern ist. Mein Gott, wie schleimig. Gerade fuehre ich das beinah perfekte Leben… Geige, Uni, toller Job, grossartige Kinder. Habe ich erzaehlt, dass letzte Woche die Strassen ueberflutet waren? Das Wasser ging mir bis zu den Oberschenkeln und ich habe mein Fahrrad durch den Strassenfluss geschoben. Gegen den Strom zu laufen ist schwierig, erst recht dann, wenn einem Pflanzen und Plastiktueten mit Muell drin zwischen den Fahradspeichen haengen bleiben. Die „Haeuser“ von den Leuten auf der Strasse wurden weggespuelt, bzw. durchgespuelt (die Kanalrohre) und die Familien sind voruebergehend in Baustellen oder auf Podeste gezogen. Heute ist es unglaublich heiss, vielleicht, um den vielen Regen wieder gut zu machen.
So. Ich widme mich jetzt der naechsten Woche, nein, der jeztigen Woche (auf Grund Krishnas Geburtstag war am Samstag die Uni zu und ich konnte den Wochenplan nicht machen).

