
Duja, Puja und leider reimt sich mein Name damit nicht. Mein Kopf ist in Wirklichkeit nicht kleiner als der der beiden, ich hoffe das ist klar.
menschen verlieren sich immer wieder. und jedes mal in sich selbst.

Duja, Puja und leider reimt sich mein Name damit nicht. Mein Kopf ist in Wirklichkeit nicht kleiner als der der beiden, ich hoffe das ist klar.
Interessante Woche.
Aksche (ca. 11, ein Junge aus dem Internat) hatte 4 Tage ununterbrochen hohes Fieber, der Arzt verschrieb ihm irgendein Fieberantibiotikum und Aksche lag zu Hause rum und nichts besserte sich. Am Freitag bin ich mit ihm zu nem Homoeopathie-Doktor gegangen, den ich neu entdeckt habe (und der mein Bild von den indischen Aerzten um einiges gebessert hat). Der hat ihn 20 Minuten lang genau untersucht und festgestellt, dass Aksche eindeutig Malaria hat. Hat auch gleich Medizin verschrieben, die er alle vier Stunden nehmen musste. Nach zwei Tagen Medizineinnahme war das Fieber weg und wir erleichtert. Dann kam Aksches Grossvater vorbei, hoerte, dass er Malaria hat und meinte: „Bei Aksche hilft Medizin nicht, er braucht ein spezielles Mantra und eine spezielle Puja!“ Ich war nicht dabei, als er das sagte, sonst haette ich ihm wohl die Beine ausgerissen. Mit Mantra. Shilu hat gemeint, dass der Opa Aksche mit nach Hause nehmen solle, Puja (ein religioeses Ritual) machen solle und ihn dann wieder bringen. Wer taucht nicht auf fuer die naechsten zwei Tage? Klar. Shilu hat ihn noch mal zu Hause besucht, aber da hilft Ueberreden nichts, wenn medizinisches Wissen aus „dem-neugeborenen-Kind-schmeissen-wir-Kuhscheisse-auf-den-Nabel“-Bereich stammt. Ja. Heute war Shilu nochmal bei Aksche und hat ihn dann einfach mitgenommen. Denn Aksche hat wieder Fieber. Wer haette das gedacht. D.h. noch mal zum Arzt rennen und zwei Euro bezahlen. Bei ‘nem Monatsbudget von 20 Euro fuer Medizin (fuer jetzt 28 Kinder).
Die Kinder im Hostel haben einen Geist gesehen! Shilu meinte, da flatterte ein Stofftuch vor dem Fenster und der Junge ist in der Nacht aufgewacht und hat gedacht, es waere ein Geist. Und hat allen von dem riesengrossen Gespenst erzaehlt. Und alle haben es geglaubt!!!!! Ich dachte, ich fasse es nicht. Sie haben doch tatsaechlich eine Geistvertreibungspuja gemacht und so ein Segensding im Tuerrahmen aufgehaengt. Was will man da noch sagen?
Seit einer Woche versuche ich, systematisch Gottes Kreaturen zu toeten. Habe aus Deutschland diesen tollen Nissenkamm aus der Apotheke mitgebracht, eine (wenn das nicht nach „DEUTSCH“ klingt) Liste angelegt und versuche nun, jedes Kind mindestens einmal pro Woche ganz zu entlausen und zu entnissen. Den Rekord haelt immer noch Duja mit ihren 300-400 Nissen, aber gestern hatte ich ein Maedchen, das hatte ungefaehr 35 sich bewegende Laeuse, das verdient auch Erwaehnung. In meinem Laeusekamm haengt dann neben Nissen und Laeusen auch: Alter Schorf, Popel, undefinierbare schwarze Klumpen, Fussel und was man sonst noch so unter „Dreck“ versteht.
Da faellt mir passend dazu ein: Ich habe eine Furunkel, obgleich ich mir nicht sicher bin, ob das der richtige Ausdruck ist, hier heisst es einfach „Beule“. Vor einer Woche fing an meinem Oberschenkel ein pickelaehnliches Teil an, sehr weh zu tun. Der Arzt hat mich ausgelacht und meinte, an sowas muesse ich mich in Indien gewoehnen. Danke auch. Deshalb hab ich mich die naechsten Tage erst mal nicht mehr hingetraut, obwohl das Ding immer mehr gewachsen ist. In der Mitte war es schwarz und die Haut aussen dran war ganz sehr geroetet. Irgendwann war das ganze faustgross und mein Oberschenkel nett angeschwollen. Ach, habe vergessen, die Schmerzen zu erwaehnen. Mir ist wieder dieser Satz eingefallen, dass man unter Schmerzen alles gestehen wuerde und ich glaube, dass das stimmt. Gestern hab ich mich dann wieder zu meinem Arzt getraut und der hat sich erschrocken und versucht, mir zu erklaeren, dass er dachte, ich haette nen einfachen Pickel am Bein. Hat mir Pillen gegeben, die die Beule oeffnen sollen, das haben sie dann auch schnell getan und seit gestern Abend laeuft kontinuierlich Eiter aus meinem Bein. Leider kann ich nicht so sehr pressen, wie ich das gerne taete, weil es erstens verdammt weh tut und zweitens es nicht so schnell laufen moechte, wie ich das gerne haette. Mal sehen, wie lange das dann dauert, bis es wieder zuwaechst. Immerhin habe ich nette Medizin fuers Zuwachsen und da jetzt der Druck weg ist, tut es auch nicht mehr so sehr weh (wenn ich nicht gerade drueck). Meine Ekelgrenzen sinken.
Zur Zeit gibt es sehr viele Skorpione („sehr viel“ bedeutet hier: gemessen an der durchschnittlichen Anzahl von Skorpionen, die mir in Deutschland begegnen), zwei Kinder wurden schon gestochen und gestern habe ich meinen ersten eigenen Skorpion getoetet. Der war auf dem Dach meines Hauses (d.h.: vierter Stock), da wo wir immer schlafen. Grossartig. Immerhin lassen sie sich sehr leicht erschlagen, haette gedacht, er waere hartnaeckiger.
Heute morgen kam ein Mann in die Schule und fragte mich, ob ich mal komme und seine Mutter anschaue, der es sehr schlecht geht und er weiss nicht, was er machen soll usw. Er war offensichtlich arm und pan-abhaengig, ich vermute, ein Thali-Fahrer (Fahrrad mit Haenger hintendran). Ich hab ihn gefragt, wo er denn wohnt, das war aber zu weit weg, um da mal eben so hingehen zu koennen. Shilu meinte, er solle morgen wiederkommen, weil dann Dr. Ashish kommt und die Sozialklinik aufhat. Da hat sich der Mann wieder an mich gewendet und war total verzweifelt und meinte, es sei ganz dringend, seine Mutter haette schon seit 20 Tagen nichts gegessen und der Bauch sei total aufgequollen und heute morgen wollte sie aufstehen, war aber so schwach, dass sie hingefallen sei. Habe versucht, ihm zu erklaeren, dass es nichts helfen wuerde, wenn ich mir seine Mutter anschaue, weil ich keine Aerztin bin, aber das hat er wohl nicht verschwanden. Er ist dann gegangen und erst dann habe ich mitbekommen, dass er seine Mutter bereits mitgebracht hatte (auf einem Thali). Da bin ich natuerlich zu ihr gegangen, nur mal gucken, um den Mann zu beruhigen und mich auch und puenktlich als ich beim Fahrrad angekommen war, fing die Frau auch an zu stoehnen. Das Stoehnen wiederum kam mir sofort bekannt vor: So stoehnen die Kinder von der Strasse, wenn sie noch nicht lange im Hostel waren und aus Familien kommen, in denen ihre Beduerfnisse grundsaetzlich ignoriert werden. Sie haben so eine Art Dauerwimmern entwickelt, speziell fuer Krankheiten, das zu einem Heulen anschwillt, wenn ein potentieller Helfer ankommt. Das es der Frau verdammt schlecht ging, laesst sich nicht anzweifeln, ihr Bauch war wirklich geschwollen, wenn auch nicht uebermaessig und sie ist auf jeden Fall unterernaehrt. Habe Shilu gefragt, ob wir ihr zumindest Schmerzmittel bis morgen geben koennten und er meinte, dass das keine gute Idee sei. Wuerde in der Nacht irgendetwas Schlimmes passieren, wuerden die Leute das auf die Medizin, die wir ihnen gegeben haben, schieben und ausflippen.
Ich hasse Dummheit.
Es gibt ein paar Kinder im Hostel, die immer wieder mal wegrennen, zurueck auf die Strasse zu ihren „Freunden“. Puja (ca. 12) ist in letzter Zeit mehrmals fuer ein paar Tage verschwunden, einmal habe ich sie auf Lanka betteln gesehen, sie hat sich entsprechend geschaemt und ist schnell weiter gegangen. Am naechsten Tag war sie wieder im Hostel.
Das Problem ist nicht so sehr dieses Wegrennen, denn sie kommen immer wieder, sondern die Umgebung, in der sie dann leben – das ihre Freunde und Familie arm sind, ist grundsaetzlich nicht stoerend. Gefaehrlich ist, was diese Armut mit sich bringt: Die Kinder kommen jedesmal voellig verlaust und mit den seltsamsten Krankheiten bestueckt wieder zurueck, ganz oft haben sie Fieber. Puja hat jetzt gerade einen Ganzkoerperausschlag und Laeuse, mit denen man Fleischgeschmack in ‘ne Suppe bekommen koennte. Zudem sind ihre Freundinnen (alle so zwischen 11 und 15) Prostituierte. Nicht in der professionellen Variante. Sie gehen abends mit irgendwelchen Maennern in die Wildnis, lassen Sex mit sich machen und bekommen dafuer (neben netten Krankheiten) zwischen 40 und 60 Cent. Das ist mehr, als man durch Betteln oder Muellsammeln am Tag verdienen kann und daher nicht nur fuer die Eltern, die das wissend tolerieren, eine interessante Einkommensvariante. Auch fuer Jungs bzw. Maenner ist das – in der Rolle des „Kontakte-Vermittlers“ gewinnbringend. Die Maedchen werden dann mit 12-15 Jahren verheiratet und kein Hahn kraeht mehr nach ihnen (netter Spruch). Soweit ich das einschaetzen kann, ist Puja da noch nicht „im Feld“ gewesen, aber wenn sie nicht den Absprung schafft, ist es nur eine Frage der Zeit (auch ein netter Spruch, Plattheiten besuchen mich immer dann, wenn ich sie gerne vermeiden wuerde).
Dummerweise koennte sie gut Geld verdienen mit Prostitution und ich hoffe, die Aengste bleiben groesser als das Verlangen nach Geld, die Neugier und die Ueberredenskuenste ihrer Freundinnen. Puja ist wunderschoen, sieht eher afrikanisch aus und ist relativ gross fuer den indischen Durchschnitt. Irgendwie erinnert sie mich an ein Reh. Sieht man sie auf der Strasse, koennte man denken, sie ist ein anderer Mensch – ich dachte zunaechst, dass es ihre Schwester sei. Die Schoenheit ist dann verschwunden irgendwie und es bleibt einzig diese abstossende Aufdringlichkeit, die man wahrnimmt. Man bekommt das Gefuehl, als ob sie alle Menschen nur als potentielle Einnahmequelle betrachtet. Am schlimmsten fuer mich ist es, die Verwandlung zu sehen zwischen dem Maedchen, das sie ist, wenn sie auf der Strasse ist und dem Maedchen, das sie ist, wenn sie im Hostel ist.
Andererseits bedeutet das natuerlich auch: Die anderen Maedchen auf der Strasse, denen ich begegne und nicht kenne und die in mir auch dieses Gefuehl des Abgestossen-Seins erwecken, haben auch das Potential der positiven Verwandlung, wuerden sie nur in einer anderen Umgebung sein. Versuche immer noch zu verstehen, was die Kinder dazu bewegt, wieder zurueck zu gehen auf die Strasse. Gibt es natuerlich viele Theorien dazu, aber es wirklich zu VERSTEHEN, ist verdammt schwer, finde ich.
Shilu und ich waren vorgestern mit seinem Motorrad unterwegs und haben Hindi-Buecher gekauft, weil Kathrin (sie ist Inderin, Christin, daher ihr Name) mit dem Hindiunterricht nicht klar kommt. Und mich um Hilfe gebeten hat. Alleine deshalb wollte ich ihr helfen, weil ich es grossartig finde, dass endlich mal ein Lehrer zugibt, nicht zurecht zu kommen. In der Southpoint School war ich umgeben von mehr oder weniger unqualifizierten Lehrern (Priya war die Ausnahme) und jeder erweckte in den Meetings den Eindruck, Herr der Lage zu sein – niemand war es. Wenn ich mit den Lehrerinnen alleine geredet habe, beschwerten sie sich staendig ueber die zu viele Arbeit, die Probleme mit der Fuelle des Lehrplans (bzw. dessen Einhaltung), Schwierigkeiten mit bestimmten Schuelern. Aber wenn solche Dinge im Team offen kommuniziert werden wollten, herrschte beredtes Schweigen.
Wie auch immer, jetzt gibt es Hindi-Buecher. Und zwar sehr gute, vom Erziehungsministerium. Der Held des ganzen (hab seinen Namen vergessen) hat vor ein paar Jahren angefangen, die Buecher voellig umschreiben zu lassen, damit selbst Kinder, die von schlechten Lehrern unterrichtet wuerden, die Moeglichkeit besaessen, sich selbst zu bilden. Hat er gesagt. Und 2006 eine neue Version der offiziellen Regierungsschulbuecher rausgebracht – fuer 50 cent das Stueck. Die sind qualitativ extrem hochwertig, so im Vergleich zum viel teureren Buecherschrott, der hier im Umlauf ist. Aber auch hier gibt es die interessante Auffassung, dass nur das RICHTIG gut sein kann, was teuer ist. Daher benutzen die meisten oeffentlichen Schulen andere (also: teurere) Buecher, die weniger kindgerecht, weniger fachgerecht und weniger schoen sind. Daemlich.
Sylvia, meine franzoesische Nachbarin, hat in Frankreich eine NGO gegruendet, die indische Ngos mit Buechern ausstatten will. Dafuer bekommt sie nicht nur Bargeld von dort, sondern hat auch eine Buecherlieferung mit tausenden von Buechern bekommen (Ubertreibung, es sind nur tausend, glaube ich). Und sie bezahlt die neuen Schulbuecher fuer die Kinder und demnaechst gehen wir Kinderbuecher einkaufen. Juhu!!!
Ich hab mir auch ein Buch gekauft, naemlich ein Hindi-English-Woerterbuch, weil meins verschwunden ist. Und ich muss endlich mal an meinem Hindi arbeiten, es beschaemt mich immer wieder, wenn ich wuetend bin und die daemlichsten Fehler mache, weil ich so aufgeregt bin bzw. mir mal wieder nicht auf Hindi einfaellt, was ich gerne sagen will. Oder die Kinder mich nach Uebersetzungen fragen und ich ihnen nicht helfen kann, weil mein Hindi nicht so gut ist. Ich brauche mehr Zeit.
Die Kinder, besonders Laxmi und Krishna, waren voellig vertieft in ihre neuen Lehrbuecher. Die Buecher bauen vorwiegend auf Geschichten und Gedichten auf, so aehnlich wie mein Englischunterricht, nur in bunt. Da die Kinder der aelteren Gruppe (Senior Group = SG) in Hindi den Klassenstufen 3-5 entsprechen, hat jeder ein Buch entsprechend seines Levels erhalten. Mein Hindiunterricht (eigentlich ist es eine Schande, dass ich das unterrichte, verstehe die meisten der Texte kaum) lief heute so ab: Jedes Kind hat seine erste Geschichte gelesen und danach ein paar Fragen aus dem Buch, das Arbeitsheft und Lehrbuch in einem ist, beantwortet. Danach durfte dann aus jeder Gruppe ein Kind seine Geschichte erzaehlen. Das war sehr schwierig fuer die Kinder, die ein Gedicht hatten. Sie haben dann erst das Gedicht vorgelesen und ich hab ein paar Fragen in mehr oder weniger gutem Hindi gestellt. Klingt nicht so spannend, war es auch nicht. Ist halt nicht meine Sprache…und Kathrin hatte genug zu tun mit der Junior Group (SG). Ich hoffe, das klingt jetzt nicht so muede und fertig, wie ich mich fuehle. Es war ein schoener Tag in der Schule. Bis jetzt ist jeder Tag schoen gewesen. Komisch.
Ein Kind (Dhuja, 7) hat mir gesagt, dass ich ab jetzt seine Mami bin. Und das erzaehlt es ueberall herum, und: dass Shilu ihr Papa ist. Sie wohnt im Hostel, hat fuenf Geschwister und die Mutter will sie nicht daheim haben, weil sie beim Arbeiten im Haushalt stoert… An Tagen, an denen sie heimdarf, nimmt die Mutter sie manchmal nicht mit, sondern nur den grossen Bruder (Krishna, 10). Dhuja und Krishna waren erst relativ gleichgueltig mir gegenueber. Nein, nicht wirklich gleichgueltig, sie waren nur nicht so klammernd wie die Kinder aus den Bettelfamilien. Sie keine Distanz und haengen sich einfach die ganze Zeit an einen dran, ohne ein „Nein“ zu respektieren. Am Anfang war ich sehr streng zu ihnen, hab ihnen grundsaetzlich verboten, mich anzufassen (auch an der Hand), weil sie nicht differenzieren konnten zwischen Zeiten, in denen man Naehe suchen kann und Zeiten, in denen das nicht geht (wenn ich in einer anderen Klasse unterrichte). Ich vermute, dass sie durch das staendige Betteln daran gewoehnt sind, die Grenzen anderer Menschen zu ignorieren – wer wuerde ihnen sonst Geld geben, wenn sie nicht verdammt aufdringlich waeren?
Mittlerweile hat sich das ein wenig gelegt und meistens koennen sie akzeptieren, wenn ich „Nein“ sage und weggehe (ich gehe ja auch nicht einfach so, sondern erklaere ihnen, warum ich gehe) und sie haben dieses aufdringliche, bettelnde Verhalten abgelegt. Zumindest bei mir. Gestern waren zwei Hollaender da, die wurden bestuermt und bedraengelt, aber scheinbar hat sie das nicht so gestoert wenn die Kinder sie belagerten. Mich schon, weil das meine Bemuehungen darum, die Grenzen des anderen zu respektieren, ein bisschen unterminiert. Sagt man das so im Deutschen? Unterminiert? Klingt seltsam.
Wie auch immer, Krishna und Dhuja waren nicht so, sondern sehr zurueckhaltend am Anfang. Neulich war Dhuja krank und ich sollte sie mit nach Hause nehmen, damit sie mal einen Nachmittag Ruhe hat und schoen ausschlafen kann. Das hat sie dann auch gemacht und danach habe ich sie geduscht in einer kleinen Wanne (mit dem Eimer, draussen auf dem Hof in der Sonne). Das war ein unglaublich schoener Moment, sie so gluecklich zu sehen und wie sie das Wasser geniesst. Hab ihr Knisterbadeperlen zum Spielen gegeben (Moeff, wenn du das liest, schick das der Uschi, das war ihr Geburtstagsgeschenk fuer mich!!! Und toll war es und ist es noch! Danke) und ihr danach Laeuse entfernt. Ungefaehr 3 bis 4 hundert Nissen und ca. 20 Laeuse. Keine Uebertreibung. Wir haben eigentlich nichts besonderes gemacht, aber das muss grossartig gewesen sein fuer sie, diese gebuendelte Aufmerksamkeit.
Ich versuche eigentlich bei allen Kindern (mehr oder weniger gelungen), jedem ab und an ungteilte Aufmerksamkeit zu schenken, weil ich glaube, dass es sehr wichtig ist fuer ein positives Selbstbild, das Gefuehl erlebt zu haben, fuer jemanden etwas Besonderes zu sein, bzw.: besonderer (oder: mehr geliebt) als andere. Das mag unsozial klingen, aber im Prinzip ist Familie darauf aufgebaut – den Eltern sind die eigenen Kinder immer wichtiger als andere Kinder. Und dieses Gefuehl kann man relativ leicht vermitteln, finde ich. Zum Beispiel massiere ich manchmal den Kopf von nem Kind, das sich gerade die Haare waescht, das geniessen sie sehr und es ist ein wirklich ruhiger, intimer Moment, in dem das Kind sich voellig entspannt. Und danach ein bisschen gluecklicher wirkt, oder zufriedener. Weiss auch nicht, ich probiere gerade sehr viele Dinge aus und weiss nicht wirklich, was davon besser oder schlechter ist. Meistens habe ich das Gefuehl, intuitiv richtig zu liegen. Aber mit diesem Gefuehl kann man auch schoen falsch liegen. Und ich muss mich zwingen, Distanz zu wahren zu denn Kindern, denn immerhin (und das versuche ich mir staendig vor Augen zu halten) sind es NICHT meine Kinder – was ich Dhuja auch immer wieder sage. Und sie darauf: „Wenn du weggehst, werde ich dich sehr vermissen.“
Das staendige Weggehen weisser Bezugspersonen… da muss ich das naechste Mal drueber schreiben, weil es mich so wuetend macht. Akche hat vor ein paar Tagen gesagt (nachdem ein deutsches Maedchen, das ein paar Wochen hier war, wieder gegangen ist): „Du darfst nicht gehen, okay? Marisa ist weggegangen, aber du darfst nicht gehen!“ Das hat er bestimmt 4 Mal gesagt. Und ich plane, naechstes Jahr noch mal in Deutschland zu studieren…
Since five minutes I sit in front of this pc and I just cannot think of anything to write. Not that there wouldn’t be enough to write, but every story is embedded in a bigger story, and if I tell an incident I would have to refer to another one… and so on. I feel I become more and more estranged from what my life in Germany meant to me. More so, because I not in the least seem to miss things I used to miss earlier. Except my friends, of course.
Everyday I learn a lot and I cannot keep up with telling my friends about what happens inside and outside of me. Most of the things I see, the people I talk to and the thoughts I think will never be communicated. And they can not be shared at all, because there is no way for my friends of making the same experiences and therefore know what is going on inside of me.
I dread the thought of having to leave my job here and living again in a country where all the time I would have to think about money (and I definitely would have to). Of course, I know that most people here do the same and I don’t want to stay here because I love India or its culture or whatever. But somehow I feel more comfortable to live a simple life, at least in economical terms. It’s great to wash ones clothes with the hand, try to teach as best as possible and after that go to university and study about the latest developments in international peace research. A life like this, if not perfect or good at all, seems a little bit more healthy to me.