Die letzte Zeit war hart, bzw. unglaublich anstrengend. Alles wird geich doppelt so schwer, wenn man krank ist, Examen anstehen und die Erwartungen der Menschen um einen herum sich widersprechen und an die eigenen heranreichen. Und heute bekam ich überraschend die Nachricht, dass mir demnächst GELD überwiesen wird, und nicht gerade wenig (700 Euro – soviel Geld passt in indischen Rupees in keine Geldbörse). Plötzlich bin ich geldsorgenfrei und kann zumindest diesen Monat alles kaufen, was ich möchte, und ich möchte viel. Weihnachtsgeschenke für meine Familie und meine besten Freunde, teures westliches Essen für meine kleine Schwester, für die es schwer ist, ständig indisch essen zu müssen, Schotter für die Fundierung des Fussbodens in der Schule (wir hatten nur Geld für die Backsteine, mit denen die Kinder ein Muster entwerfen und anfertigen sollen, quasi als Boden für einen „Klassenraum“), Marmor für das Bad in der Schule (Marmor ist billiger als Stein oder Fliesen, sei hier hinzugefügt), noch mehr Farbe… und bestimmt fällt mir noch ganz viel ein. Mein Gott, bin ich glücklich. Plötzliche ungeahnte Ausweitung der Möglichkeiten… allerdings nur ungeahnt, nicht unbegrenzt, mahnt die Vernunft. Aber so passend, zu dieser Zeit. In der Schule fehlt Geld an allen Ecken und Enden. Schön.
Archiv für November 2008
Geld macht so glücklich!!!
Veröffentlicht 23. November 2008 Läuft gerade Hinterlasse einen KommentarBangladesh ist die Technologie-Hochburg Indiens.
Veröffentlicht 23. November 2008 Läuft gerade Hinterlasse einen KommentarDas hat mein Bruder gesagt und ich musste diese wegweisende Erkenntnis einfach veröffentlichen. So laut habe ich schon lange nicht mehr gedacht („gedacht“ war ein Schreibfehler, es hätte natürlich stehen müssen „gelacht“, wer hätte das gedacht. Aber auch dieser grandioser Fehler verdient die Aufmerksamkeit vieler). Für die, die sich dumm fühlen wollen: Er meinte Bangalore. Falls er tatsächlich irgendetwas meinte.
Angemalt
Veröffentlicht 10. November 2008 Bilder Hinterlasse einen KommentarTags: Indien, Kreativität, Soziale Arbeit
Wir haben lauter Dinge bemalt: Ein grosses selbstgebautes Eckregal, zwei alte Metallregale, den einzigen abschliessbaren Raum, das grosse Klassenzimmer, kleine Tontoepfe, die Tuer, Koerbe, das Klo, Bambusstangen… mehr als 100 € in Farbe investiert (klingt hier nicht viel, aber es IST viel). Die Kinder lieben lackieren, aber ihre Arbeit besteht meist aus mehr Enthusiasmus denn aus Kompetenz. Nun ja.
Ich sitze gerade an meinem (dank Fini und Nadine) neuen Laptop und schreibe, waehrend mein Dozent doziert. Dabei wuerde ich gerade so gerne einschlafen. Doch wenn die Uni vorbei ist, muss ich nach Hause, Waesche waschen, aufraeumen und zwei Stunden spaeter schon wieder im Hostel sein – Badminton spielen, Hausaufgaben machen, Kinder knuddeln und Wunden angucken und versuchen, den Lautstaerkepegel so niedrig zu halten, dass meine bereits vorhandenen Kopfschmerzen nicht noch groesser werden…
Schoen oefters habe ich erwaehnt, wie wenig Zeit ich habe, aber wenn immer ich so etwas schreibe, scheint daraufhin die Arbeit noch mehr und die Freizeit noch weniger zu werden. Diesen Sonntag hatte ich den ersten freien Tag seit Wochen, obwohl es eine Reihe gesetzlicher Feiertage gab, aber die haben wir damit verbracht, die Schule zu renovieren – erst geweisst, dann mit Lackfarbe gestrichen, damit wir die Wand immer schoen abwischen koennen, zumindest bis zu einer bestimmten Hoehe. Das war teurer als erwartet und hat auch laenger gedauert, als wir gehofft hatten. Aber es war eine schoene Zeit und obwohl wir noch lang nicht fertig sind, sieht es schon echt toll aus. (Foto folgt).
Vor drei oder vier Wochen bekamen wir ueberraschend Besuch von Jessica, der Gruenderin der Schule. Zu diesem Anlass haben die Kinder ein eigenes Abendprogramm gestaltet, mit englischen Liedern, indischen Taenzen, Hindi- und English-Theaterstuecken. Wir hatten gerade mal 1 Tag zum Planen und 3 Tage zum Vorbereiten. Und: Es war wunderschoen, der Klassenraum war die Buehne und die Zuschauer sassen auf dem Boden davor, wo die Kinder Matten ausgelegt waren. Es kamen ungefaehr 150 Leute und die Kinder waren nicht nur aufgeregt, sondern auch grossartig. Die Waende der „Buehne“ hatten Fini und Nadine schnell noch weiss gestrichen und wir haben das Ganze mit Blumengirlanden geschmueckt und noch ein schoenes Tafelbild gemalt. Alles sehr einfach, aber mit dem Licht abends sah es umso beeindruckender aus. Leider hab ich grade keine Fotos da. Tja.
Ein kleines Maedchen (1,5 Jahre alt), das mit ihrer groesseren Schwester manchmal in die Schule kommt, ist ins Feuer gefallen und hat sich (immerhin nur) den Fuss verbrannt. Die Eltern haben zwei Tage gewartet, und sie dann mit der Schwester zu uns geschickt. Der Bereich um die Zehen und die Ballen ist schwarz verkohlt und geteilt, so dass man innen in das Fleisch gucken kann. Es roch extrem nach Verwesung, wie ein toter Hund, der mehrereTage am Strassenrand lag. Hab die beiden sofort mit einer Lehrerin ins Krankenhaus geschickt, die meinten, es waere kritisch, sie solle jetzt jeden Tag kommen, moeglicherweise muesste man den Fuss abnehmen. Und zwei Tage lang haben wir nichts mehr von dem Maedchen gehoert! Zum Kotzen. Heute kamen ihre Eltern und ich habe ihren Fuss angeschaut – mittlerweile kann man den grossen vom benachbarten Zeh nicht mehr unterscheiden. Die Eltern wollten „nur mal“ Bescheid sagen, dass sie jetzt fuer 4 Tage weggehen, in eine andere Stadt, zu einem religiösen Festival, wo sie betteln gehen. Shilu hat sie nach laengerem Ueberreden dazu gebracht, die grosse und kleine Schwester hierzulassen, im Hostel, damit das Maedchen regelmaessig ins Krankenhaus gehen kann. Die Eltern haben zugestimmt, gemeint, sie holten noch schnell die Anziehsachen und kaemen dann wieder. Nach einer halben Stunde hat Shilu eine Lehrerin hingeschickt – und es war niemand mehr da. Ich haette heulen koennen, aber so geht das leider nicht, wenn lauter Kinder um einen rum stehen. Wie kann man nur so unglaublich dumm und ignorant sein!? Und man hat gesehen, dass sie uns nicht geglaubt haben, fuer sie das ganze nicht halb so dramatisch war. Und wer wird denn erfolgreich betteln gehen koennen, wenn keine kleinen Kinder einem am Arm haengen? Ich bin so unglaublich wuetend und haette ihnen gerne das Grinsen aus der Fresse geschlagen.
