Archiv für April 2009

Nicht einmal mehr einen Monat…

…und dann muss ich schon wieder nach Deutschland. Verdammte Scheiße, die Zeit rennt davon und ich werde ganz viele Dinge nicht zu Ende gebracht haben. Abgesehen davon hab ich von Montag bis Donnerstag Examen, dreimal muendlich & einmal schriftlich. Themen: Terrorismus & Medien, Saraswati-Puja, Sustainable Development, Environment & Conflict. Ja. 4.-6.5. sind die letzten drei Schultage, und am 7. fahren wir mit den Kindern (Internat & Schule) fuer ein paar Tage irgendwo an den Ganges auf´s Dorf, zum Entspannen. Am 12. kommen wir zurück und am 13. geht mein Zug nach Delhi. Frage mich, wann ich packen sollte.
Ich habe eine Geschaeftsidee fuer Varanasi: Tampons vor Ort herstellen, toll Werbung machen und reich werden. Juhu. Laeuft.

Was ich diese Woche gesehen habe…

- ein Interview mit einem irakischen Selbstmord-Attentaeter, der auf die Warteliste fuer Shahids gesetzt wurde, und allen moeglichen Klischees, die in den westlichen Medien so gerne wiederholt werden, widerspricht: finanziell gut gestellt, an moeglichen Jungfrauen im Himmel offensichtlich nicht so interessiert, weint vor der Kamera, weil das Gespraech auf seinen Sohn kommt, der auch mal „wie Papi“ Maertyrer werden moechte. Dass sein Sohn das gleiche Schicksal (das immerhin mit direktem Eingang in den Himmel belohnt wird) erleiden koennte,  ist etwas, dass er auf keinen Fall moechte. Er beginnt zu weinen und versucht klarzustellen, dass fuer ihn ein Selbstmordattentat die einzige Moeglichkeit ist, im Irak gegen die Amerikaner und die Juden zu kaempfen. Allerdings wird deutlich im Interview, dass er nicht Amerikaner und Juden per se meint, sondern die imperialistischen Bestrebungen Amerikas und den Zionismus. Klischees werden verwandelt und ein viel komplexeres Bild entsteht. Das leider auch viel schwieriger zu verstehen ist.

- Eine Dokumentation ueber den irakischen TV-Sender Al Jazeera, deren Mitarbeiter sich zum Teil aus ehemaligem BBC-Personal rekrutieren. Sehr angenehm, endlich mal eine andere Sicht der Dinge, die da so im Irak vor sich gehen, wahrnehmen zu koennen. Nicht unbedingt objektiver, aber dafuer in der eigenen Subjektivitaet reflektierter. Falls dieser Satz Sinn macht. Ausserdem, in der gleichen Doku: Ein amerikanischer Soldat (fuer die Betreuung der Presse zustaendig) fuehlt sich betroffen, dass er beim Anblick der Bilder ermordeter Kameraden schrecklich schockiert war, solche Gefuehle aber bei den taeglich zu sehenden Bildern irakischer Menschen nicht verspuert. Und ploetzlich merkt er, dass da etwas nicht stimmt…

- Einen Zusammenschnitt amerikanischer Nachrichtenerstattung, in der treffend gezeigt wird, wie durch Veraenderung der Sprache die oeffentliche Meinung beeinflusst werden soll. Z.B. nach einem Regierungserlass sagen die Nachrichtensprecher, wenn sie von Kolonien der Israelis auf palaestinensischem Gebiet reden, nicht mehr „Kolonie“, sondern „Nachbarschaft“. Und, schwupps, da greifen doch die boesen Palaestinenser die arme israelische Nachbarschaft an. Wie boese.

- Viel zu viele Tote und viel zu viel Gewalt, Luegen, Hass. Zu wenig Mit-Leiden.

Viktoria Fontan, eine Professorin von der Peace University in Costa Rica hat zwei Wochen bei uns unterrichtet, sie ist spezialisiert auf Medien und Terrorismus, war im Baskenland, im Kosovo, hat im Libanon recherchiert ueber Human Trafficking und war schon 12 mal im Irak seit Beginn des letzten Irakkrieges. Habe selten eine Frau erlebt, die soviele Dinge weiss und treffend analysiert, ohne sich in Schuldzuweisungen zu ergehen. Und die außerdem ein so grossartiger Mensch ist. Oh, und sie ist unglaublich jung, fuer das was sie weiß und kann, finde ich: 33 Jahre.