5 Stunden…

Seit fünf Stunden sitze ich am Laptop, die Stromzufuhr funktioniert, das Internet läuft, es stören keine Kinder (bin in der Schule, und die Kinder sind im Hostel, heute ist Teacher’s Day), und dennoch schaffe ich es nicht, ein paar kleine dämliche Bildchen auf die Website von Sabine hochzuladen. Dämlich.

Merke, dass ich schon seit Monaten nich mehr geschrieben hab, hatte den Blog beinahe vergessen. Tja, das letzte halbe Jahr war auch extrem anstrengend und mir fehlt meist der Elan, am Ende des Tages noch mal den Lappi aufzuklappen und den Tag in nem dämlichen Artikel zu verwursten. Schaffe es so kaum, alle meine Mails zu beantworten 🙂 Mal schauen, wie das in Zukunft weitergeht.

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HURRA, WIR STEHEN IN DER ZEITUNG!!!

Vor einiger Zeit hat Sheelu einen Mann am Chaishop nebenan getroffen, der sich als Journalist auswies und ihm ein paar Fragen gestellt hat. Vorgestern war ein Mann an der Schule, ein angeblicher Freund des Vermieters, der Fotos gemacht hat, und zwar vorwiegend Fotos von unseren neuen Volunteers (Nadine und Juliane) und Sabin (einer Schweizerin, die uns unterstützt). Letztere hat mich gefragt, wieso er das macht. Da ich auf dem Dachgeschoss in der Bibliothek war, hatte ich davon gar nichts mitbekommen. Sheelu meinte, er kenne den Mann nich. Hab ihm dann gesagt, dass er die Fotos löschen soll, und dass es sich nich gehört, ohne zu fragen Fotos zu machen. Er sagte: „Only personal!“. Was auch immer das ändern würde. Heute war dann dieser Artikel in der Zeitung…

Sheelu und ich haben uns sehr aufgeregt. Bin mir sicher, dass unsere Schule keine Sau interessieren würde, wenn nich der „Photograph“ zufällig mehrere Weiße (aus denen er sechs Ausländer macht, die angeblich an der Schule arbeiten) gesehen hätte. Mir ist ziemlich egal, dass der Artikel positiv ist, obwohl das unser großes Glück war. Sheelu nämlich wollte sich beim News-Verantwortlichen in Lucknow beschweren über die unprofessionelle Vorgehensweise. Er hat die vier verschiedenen Nummern, die im Impressum angegeben waren, angerufen. Eine Nummer war tot, eine Nummer gehörte zu einem Privathaushalt und bei den beiden anderen hat wiederholt keiner abgenommen.

Journalismus in Varanasi funktioniert meistens wie in unserem Fall: Photographen stürmen herein in eine Veranstaltung, klicken wie wild für 5 Minuten, dann verlassen sie die Veranstaltung und nehmen am liebsten noch nen Flyer mit, damit der Journalist weiß, was er zu schreiben. Der Typ, der den Artikel verfasst hat war offensichtlich noch nie in unserer Schule, sonst hätte er die Örtlichkeiten nich so fehlerhaft beschrieben. Und der Redakteur hat NATÜRLICH ein Photo mit einer Ausländerin drauf veröffentlicht (in diesem Fall: Sabin, die an diesem Tag das ERSTE MAL an unserer Schule war). Und unsere 8 Lehrer, die so hart arbeiten? Und Sheelu??? Not white enough. Könnte kotzen.

Kiran und Seema

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wir haben zwei neue kleine Mädchen im Hostel, Kiran und Seema, vielleicht 5 Jahre alt. Schwer zu schätzen, da Entwicklungsverzögerungen durch Mangelernährung im Kleindkindalter die Kinder normalerweise jünger aussehen lassen. Das erste Mal in ihrem Leben geduscht in einem sauberen Bad. Beide waren unglaublich glücklich und haben darauf bestanden, ihre Anziehsachen selbst zu waschen und aufzuhängen. Überhaupt ist Wäscheaufhängen eines der Lieblingsaktivitäten von Seema. Neben Grimassen schneiden. Sie kommt wunderbar klar im Hostel.

Für Kiran ist es schwerer, sie ist drogenabhängig und rennt immer noch jeden oder jeden zweiten Tag weg, damit sie Gutka (Betelnuss getränkt in Tabak) essen kann. Gestern abend um acht hab ich sie etwas länger suchen müssen, weil ihre Eltern beide betrunken waren und sie solange verprügelt haben, bis sie weggerannt ist in die Dunkelheit und sich in einer Baustelle versteckt hat. Als ein Junge sie dann gefunden hat, hat sie sich staubverkrustet und ohne ein Wort von sich zu geben an mich geklammert. Bis wir wieder im Hostel waren.

In unserer Küche…

 

 

 

 

 

 

 

Man sieht zwar nich so viel von der Küche, außer Shveta (die Frau des Kochs, die sich dort meistens befindet). Aber ich bitte darum, Hund (Fini) und Katze (Kato) im Hintergrund zu beachten.

Nachtrag.

Hm. Nadine hat mir erzählt, dass Black Hawk Down (So, wie es unten geschrieben steht, wurde es im Untertitel angezeigt…) in Somalia spielt. Daher auch die vielen schwarzen Menschen. Aber ich bin überzeugt, dass ich tatsächlich was vom pakistanischen Nationalstadium gelesen hätte – auch in den Untertiteln. Werde es nachprüfen 🙂

Blake Vhawk Down

Sitze gerade an der Uni und schaue einen Kriegsfilm. Von den Amis gedreht offensichtlich (ich kam zu spät und weiß daher nich, was gespielt wird), und ich verstehe kaum was, weil in der Hindiversion, die wir schauen, die Hintergrundkriegsgeräusche so laut sind, dass man das Schreien der Soldaten kaum versteht. Irgendwo in Afrika. Läuft nich so gut bei den Amis, sehr viele sterben, und jetzt gerade schicken sie Unterstützung, Freiwillige vor, und – wer hätte es gedacht – ganz viele wollen. Auch der Soldat mit Asthma. Versuchen es so realistisch wie möglich zu gestalten, und ich merke mal wieder: Brauche keine zusätzlichen schlimmen Geschichten, bin bereits bedient.

Wir sitzen hier, studieren Conflict Management studieren und uns wird erzählt, dass WIR irgendwann solche Konflikte lösen werden können. Wer von uns? Das offensichtlich von ihrer eigenen Schönheit so beeindruckte Mädel, das der liebevollen Auffassung ist, dass alle Menschen in Gefängnissen nicht zu den Menschen gehören, die Menschenrechte besitzen?  Der nette junge Mann, der nach der letzten, sehr oberflächlich gehaltenen Vorlesung aufstand und meinte (als die Dozentin raus war): „Worum ging es grade?“ Unser Dozent? Er wäre bestimmt bereit, die Welt zu versöhnen, die er schon die ganze Zeit mit seinen unvollendeten Sätzen voller Wikipedia-Einleitungs-Wissen bereichert. Oder vielleicht der Typ in der Reihe vor mir, der jedes Mal, wenn ein Soldat stolpert und hinfällt lacht als ob er grad Stromberg guckt? Das ist wie Blümchenbildchen malen gegen Atomkrieg. Kann man die Strahlen dann wegfächeln. Es scheint mir, als wäre niemals zu vor das Wort „Lächerlichkeit“ so treffend in Szene gesetzt worden wie in unserem Klassenraum.

Gerade ist Abend eingebrochen und die Amis sind in irgendwelchen Häusern, weil sie´s nich zurückgeschafft haben. Ihm wurde grad das Bein ab- oder weggeschossen und die Jungs sind schön panisch. Ich frage mich: Wer guckt sowas aus Spaß? Will dem Ganzen das erzieherische Potential nich absprechen. Wobei, wenn ich mir die Helden hier im Klassenraum angucke…

Das hier ist kein besonders sinnvoller Artikel, aber ich muss mich ablenken vom Film. Sterben. Oh. Gerade sehe ich, dass er in Pakistan spielt. Sehen die Pakistanis so aus wie Afrikaner? Oder haben sie afrikanische Milizen zur Unterstützung geholt? So, jetzt versuchen sie gerade, dem getroffenen Soldaten irgendwas im Bein abzuklemmen, damit er überlebt. Irgendwie kann ich trotzdem immer noch verstehen, wie man Soldat wollen werden kann. Mein Gott, immer wenn man denkt, jetzt is grade ein bisschen Ruhe angesagt für die Amis, geht´s wieder los. Die anderen sterben übrigens ohne Schmerzen, nur für die, die vielleicht Sorge um die armen getroffenen Gegner haben. Braucht man nich, nur die Amis leiden heldenhaft, die anderen sterben schnell und leise und immerhin zahlreich. Frauen und Kinder schreien natürlich, aber die werden auch gerne verschont von den Guten.

Hab jetzt auch den Titel gelesen: BlakeVhawkDown. Was auch immer das heißt. Der Film ist zu Ende und noch während der Held des Films sagt, dass man kein Held werden kann, verlassen sie lachend den Raum.

The Reason why I´ve been silent on wordpress…

 

 

 

 

 

 

 

or, more accurately: one of the reasons (and: the most astonishing and wonderful), the other ones being exams at university, the teacher training course being attended by teachers from another school (which means: more time needed to get prepared), a boy being severely sick and hospitalized, etc…